
Wir sind Werklehrer und Administratoren dieser digitalen Plattform “wiki.waldorf-werklehrer.de”, unser Motto: “Hände werken”.
Uns ist die Digitalisierung ein großes Anliegen, nicht zuletzt, um natürliche Ressourcen und Rohstoffe wie Papier zu schonen und ihren Verbrauch zu mindern. Hier entsteht gerade die dritte Online-Publikation, die jedem Besucher frei zugänglich und verfügbar sein wird.
Gerade die Corona-Pandemie hat uns gelehrt, wie hilfreich es sein kann, online im Kontakt und Austausch bleiben zu können, mit Kindern auch im Werkunterricht, mit Kolleg:innen, im Coaching.
Zugleich vertreten wir entschieden die Haltung, dass digitale Medien im Unterstufenunterricht nichts zu suchen haben, gleichwohl das Handy zum Handgepäck beinahe aller Kinder gehört.
Wir machen uns, der Anregung Rudolf Steiners von 1922 folgend dafür stark, dass das Werken in der Waldorfschule “früher” als in der 5. oder 6. Klasse einsetzen sollte.
Die technische Entwicklung hin zum Digitalen und der Digitalisierung ist rasant fortgeschritten und hat berechtigterweise Einzug auch in die Schulen und den Unterricht gehalten.
"Werken mit den Kleinen?!" ist seit gut einem Jahr integraler Bestandteil des Waldorf-Lehrplans. Wir arbeiten zum Thema in Workshops mit Lehrkräften bei der Sommerakademie der Freien Hochschule Stuttgart und mit Studierenden an der Bergischen Universität Wuppertal.
Im praktischen Tun mit interessierten Menschen, Lehrkräften und Studierenden erschließt sich der Wert und die Notwendigkeit der “Handtätigkeit” unmittelbar.
Unser Metier ist in erster Linie die praktische Arbeit, aber wir müssen uns auch auf der Ebene erklären, wo das gesprochene Wort und der geschriebene Text die Mittel der inhaltlichen Auseinandersetzung und des wissenschaftlichen Diskurses sind.
An dem Punkt haben wir den Kontakt zu zwei Hochschulen gesucht, namentlich zu zwei Professoren, denen die Digitalisierung als ein sehr ernstzunehmendes Thema in der Forschung am Herzen liegt und das sie in ihre wissenschaftliche Arbeit einbetten, Prof. Dr. Thomas Damberger vom Tessin Lehrstuhl “Erziehungswissenschaft im Kontext der Digitalisierung” der Freien Hochschule Stuttgart und Prof. Dr. Jochen Krautz von der Fakultät “Kunst und Design” der Bergischen Universität Universität Wuppertal.
Wenn wir "schreiben", geschieht das aus der sich aufdrängenden Notwendigkeit, uns zu einem brennenden Thema mitteilen zu wollen und das “rechtzeitig” zu tun.
Dabei verzichten wir auf den üblichen redaktionellen Feinschliff des Schreiners oder der Schreinerin und belassen es bei der holzschnittartigen, lebendigen Oberflächengestalt der Texte.
Das mag man uns nachsehen.
Thomas Verbeck und Heike Birk
Remscheid und Kastellaun 2026
Digitalisierung und Werken, nichts liegt ferner, als beide Begriffe in einem Atemzug zu nennen. Und doch tun wir das.
Zwei Säulen, zwischen denen eine Brücke geschlagen werden soll.
Die Intelligenz der Hände, Handtätigkeit und Fingerfertigkeit bilden das kindliche Gehirn. Über diese Zusammenhänge spricht Rudolf Steiner in seinen Vorträgen zur Menschenkunde. Diese gründen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aus der Zeit von vor über 100 Jahren.
E.M. Kranich hat an dieser Stelle basierend auf neueren Erkenntnissen in den 1960/70er Jahren weitergeforscht und den Wert des Handarbeitsunterrichts betont. Er macht deutlich, dass die Hand- und Fingerbetätigung als Tasteindrücke in Bezug auf die ertastete Oberfläche von Bedeutung sind, dass sich allerdings auch die "sinnvollen" Bewegungen, die mit den Tätigkeiten verbunden sind unmittelbar auf die physische Ausbildung des Gehirns auswirken.
Relevanz für unser Thema hat also sowohl die Vielfalt des Materials als auch die geschickte und strukturgebende Tätigkeit. Im Einzelnen ließe sich dies heute alles neurologisch durch bildgebende Verfahren nachweisen, was durchaus von Bedeutung ist, um eine wissenschaftliche Anerkennung zu erfahren. Das überspringen wir.
Aus der Sicht von bis zur Meisterschaft ausgebildeten Handwerkern, so unser Eindruck, scheint diese Bedeutung nur eine geringe Relevanz zu haben, anders lässt sich die von uns direkt wahrgenommene offensichtliche Verniedlichung des kindlichen handwerklichen Tuns nicht wirklich erklären. So wurde schon in dem Werk von Michael Martin, was die jüngeren Kinder angeht verbreitet von einem “Vor-Werken” gesprochen.
Kleine Kinder werden heute in eine Welt hineingeboren, in der das “Digitale” allgegenwärtiger Bestandteil des täglichen Lebens ist. Ab wann heute ein Handy in die Kinderhand gelangt, ist gar nicht mehr die Frage. Szenen, dass ein Kleinkind zum Schlafen ein Handy mit beruhigender Musik ins Bettchen bekommt, um einzuschlafen sind genauso real, wie das Handy, das das kleine Schulkind als “Aufpasser” im Tornister begleitet, damit die Eltern immer wissen, wo es ist. Kaum kommt Langeweile beim kleinen Kind auf, bricht der Widerstandsdamm der Eltern, die es ihm eigentlich sinnvollerweise gar nicht geben wollen, es aber dennoch tun. Beispiele dieser Art gibt es unzählige. Wer sich zu diesem Thema weiter aktuell und tiefgründig informieren möchte, dem sei das Buch von Rainer Patzlaff empfohlen, "Die Sphinx des digitalen Zeitalters".
Das Handy als digitaler Begleiter übt schon sehr früh eine verlockende Faszination auf Kinder aus und es ist sehr schwer, sich dem zu entziehen. Tatsächlich ist es aber die engere Umgebung, die die Kinder mit diesem Medium in Kontakt bringt, die Eltern die ihnen fortwährend vormachen, dass man irgendetwas “Wichtiges” mit diesem Teil tun kann. Das machen sie dann einfach nach, versuchen es jedenfalls und aus der Suche entsteht schnell die Sucht. Überspitzt lässt sich formulieren: kleine Kinder werden von ihren Vorbildern regelrecht “angefixt”, bleibt in der Terminologie.
Kinder wollen, das ist ihr natürliches Bedürfnis, mitmachen, was die Großen tun, sie wollen lernen. Idiotischerweise führt dieser Weg des Smartphones aber in eine völlig falsche Richtung. Die Kinder werden gezielt abgelenkt und in die Irre geführt in eine Szenerie, in der nichts echt ist, zudem objektiv häufig noch nicht einmal wahr. Künstliche Intelligenz verstärkt das Ganze zudem.
Digitalisierung und Werken sind zunächst einmal völlig unvereinbar scheinende Komponenten im schulischen Fächerkanon. Hier stehen sich “Künstlichkeit” und “Echtheit” polar gegenüber. Über allem schwebt dazu noch ein Lernanspruch “Medienkompetenz”, die Kinder fit machen für die Welt von morgen. Für eine vertiefte Auseinandersetzung empfehlen wir ausdrücklich das Werk von Edwin Hübner Medien und Pädagogik: Gesichtspunkte zum Verständnis der Medien. Grundlagen einer anthroposophisch-anthropologischen Medienpädagogik
Tatsächlich wollen Kinder lernen, spielend lernen und da haben sie ihre eigenen Methoden, die es lohnt aufmerksam zu beobachten.
Eine ist die unermüdliche Wiederholung immer desselben Schrittes, solange, bis es klappt und das Kind seinen “Lernerfolg” selbst erleben kann und tatsächlich dann auch erlebt. Dann kommt der nächste Schritt. So verbindet es sich mit seiner Umgebung und der Welt, den Menschen und mit sich selbst. Es entwickelt Interesse.
Handy oder Tablet als digitale Medien sind und bleiben Spielzeuge, wenn sie frühzeitig in Kinderhände gelangen, genauso wie Spiel(Werk)zeuge immer Spielzeuge bleiben und sich niemals in "echte" Werkzeuge verwandeln können. Ein Beispiel sind echt aussehende Kettensägen, die täuschend echte Geräusche machen, sonst nichts. Auf diese Tatsache weist auch Uwe Buermann in seinen Vorträgen immer wieder hin. Uwe Buermann: Erziehung-zur-Medienkompetenz.de/Home
Was folgt daraus?
Wir behaupten: Das digitale Medium stört den fantasiebasierten Entwicklungsprozess eines Kindes so gründlich und nachhaltig, dass es im Grunde erschwerte Chancen hat etwas wirklich Weiterführendes zu lernen.
Wir fordern: Schule muss hier aktiv werden und radikal gegensteuern.
Wir regen an: Erziehungswissenschaft muss hierfür einen diskursfähigen Boden schaffen und sich klar positionieren.
Unser Motto “Werken mit den Kleinen?!” ist gleichzeitig offene Frage und dringender Auftrag.
Die Zeit drängt.
Unsere Devise: Werken mit den Kleinen - Digitalisieren mit den Großen
Unsere Projekte: - Workshops mit Werklehrkräften, Klassenlehrkräften, Studierenden
Im Grunde haben wir den ganzen Bogen mit den Werklehrern bei den Internationalen Werklehrertagungen kursmäßig einmal geschlagen: das Werken in der Unterstufe (3-6), die Bewegung, die eine andere erzeugt beim Spielzeug (7+8), die Mechanik in der Entwicklung von Instrument und Werkzeug und verschiedene Antriebe bis zur Dampfmaschine (9+10).
Noch nicht bearbeitet haben wir den technologischen Bereich von Verbrennungsmotor und Elektromotor, Auto und Straßenbahn, die mechanische Automatisierung von Prozessen und aktuell die CNC.
KI sorgt hier schnell für die Basisinformationen: computergestützte CNC steht für "Computerized Numerical Control", was auf Deutsch "computergestützte numerische Steuerung" bedeutet. Es handelt sich um eine Technologie, bei der Werkzeugmaschinen mithilfe eines Computers präzise gesteuert werden. Digitale Bau- und Konstruktionsdaten werden in numerische Befehle umgewandelt, die eine automatisierte und präzise Fertigung ermöglichen.
Und dann stößt man ganz aktuell auf das Thema: Ist eine DIY-CNC-Fräse eine gute Idee? Da sind wir dann ganz schnell bei den "Kompetenzen" und der Frage, die Thomas Damberger in den Raum stellt, wenn er die Medienkompetenz von Lehrkräften beleuchtet und grundsätzlich hinterfragt.Sehr interessant und sehenswert sind seine Vorträge zum Thema.
Wir werden heute von "Apps" überflutet, für alles und jedes, eine digitale "Anwendung", etwa ein Routenplaner oder eine Taschenlampe oder die Wasserwaage. Ein bisschen komplexer sind dann die "Tools" beispielsweise
Taschenrechner und Texteditoren sind im Grunde auch Apps. Letztlich kann man unterscheiden zwischen Dienstprogrammen, die das Gerät braucht, um arbeiten zu können, und Apps, früher hießen sie Anwendersoftware, die der Benutzer braucht um was auch immer damit machen zu können. Natürlich gibt es fließende Übergänge, mein erstes Handy bzw. mein erstes Smartphone hatten zwar eine Kamera, aber um diese als Taschenlampe nutzen zu können musste man eine zusätzliche App herunterladen.
Zum Thema CNC-Fräse: Man muss sich allerdings klar machen dass die heutigen Geräte viel zu komplex sind, um sie in einem Schulzusammenhang wirklich durchschauen zu können. Es klingt zunächst toll, Jugendliche eine CNC Fräse bauen zu lassen.
Das erinnert mich an die Jahresarbeit in einer 12. Klasse. Der Junge hatte sich einen Lautsprecherbausatz gekauft, eine Kiste zusammengeschraubt und dann den Lautsprecher hinein montiert. Das war eine fragwürdige Angelegenheit, denn: was hat er dabei wirklich gelernt oder gezeigt? Was hatte er von Lautsprechern begriffen?
Man kann einen Aspekt auswählen, zum Beispiel eine CNC Fräse zu programmieren. Das hatte ich in der Schreinerausbildung, ich habe ein “Mensch-ärgere-dich-nicht Spiel” gefräst, mit lauter vorprogrammierten Kreisen. Die Fräsrillen habe ich dann mit Wasserfarbe eingefärbt. Wie genau diese Fräse funktionierte war allerdings nicht Unterrichtsinhalt.
Solche Sachen anzuwenden kann man lernen, man kann auch sicherlich versuchen eine ganz einfache Version einer Maschine zu bauen und digital zu steuern, auch die Forschungsstelle bietet da schöne didaktisch gut aufgearbeitete Beispiele. Dann kann es vielleicht klar werden, wie Schaltungen grundsätzlich funktionieren oder wie Programme einen Input auf welche Weise umsetzen. Aber es stellt sich immer die Frage: was ist das Ziel, was soll gelernt werden?
Die ganze Maschine gedanklich komplett zu durchdringen ist nicht machbar, nicht im Schulunterricht, allenfalls Teile daraus, vereinfacht, didaktisch reduziert. Nicht umsonst gibt es ein Studium dafür. Sinnvoll wird es sein, sich beispielhaft etwas rauszugreifen, damit das dann verstanden wird und adaptiert werden kann.
Genauso ist es ja auch nicht zwingend erforderlich in der ersten Klasse jeden Buchstaben mit einer Geschichte und einem Bild einzuführen; die Kinder sollen grundsätzlich eine bildhafte Idee bekommen und ein Gefühl dafür entwickeln, wo die Buchstaben herkommen, dann können sie ihr “Wissen” anwenden. Es kommt vor, dass Lehrer die missverstehen und händeringend nach einem stimmigen Bild fürs “Y” suchen.
Fatalerweise sind "Anwendungen" und "Werkzeuge" in ihrer Nutzeroberfläche so vereinfacht, dass jeder sie bedienen kann, auch Kinder, ohne überhaupt eine Ahnung davon zu haben, was im Hintergrund und in den anliegenden Hinter- und Untergründen eigentlich passiert.
Rudolf Steiner bringt ja in diesem Zusammenhang in Vorträgen immer wieder das Beispiel der Tram, der Straßenbahn, in die er niemals einsteigen würde, wüsste er nicht, wie das Gefährt funktioniert. Zugleich mahnt er die "Zeitgenossenschaft" der Waldorflehrkraft an, einfach Bescheid zu wissen und komplexe Sinnzusammenhänge durchdacht und verstanden zu haben, ehe sie das Thema mit den Schüler:innen bearbeitet.
Sinnigerweise beziehen wir uns immer wieder, sprechen wir über Technologie im Unterricht gerne auf das Straßenbahnbeispiel. Tatsächlich betrifft das aber jedes Thema, jeden Inhalt und jeden Bereich.
Einmal auf einem Marmorbrocken rumhauen als Vorbereitung auf den anstehenden künstlerischen Unterricht im Steinbildhauen zählt kaum. Ebenso wenig, wie einmal ein Werkstück selbst gefertigt zu haben. Dasselbe Werkstück zehnmal hergestellt zu haben allerdings genauso wenig, das passt dann eher in die Lehrlingsausbildung, wo es um die Perfektionierung bestimmter Handgriffe geht. -
Pikanterweise sind Kinder und Jugendliche viel näher an der "App" Fertigkeit als mancher Erwachsene, einfach, weil sie diese schon mit der Muttermilch, bzw. dem Muttermilchersatz aufgesogen haben. Sie erleben also Lehrer, die ihnen etwas beibringen sollen, wovon diese allerdings keine Ahnung haben. “Dem soll ich nachfolgen?”, ist die berechtigte Frage. Die Autorität wird gleich mit in Frage gestellt. Allerdings ist genau das die wirkliche Grundlage, auf der Erziehung und Unterricht in der Klassenlehrerzeit basiert. Man könnte sagen "sollte", aber wenn diese Basis fehlt, dann kann das auch gar nicht funktionieren.
Medienmündigkeit ist hier die Frage. Die Kinder müssen schon früh eine Kompetenz erreichen, sich gezielt für Dinge und Inhalte entscheiden zu können, anders geht es ja kaum. Dafür braucht es Sozialkompetenz, Wissen über Gruppendynamiken, Manipulations- und Fakenews- Erkennungskompetenz. Und das alles in einem Alter, in dem sie eigentlich noch viel zu klein sind, um die Zusammenhänge zu verstehen. Allerdings ist der Begriff zu kurz gefasst, hat man nur “digitale” Medien im Sinn. Im Sinne der zitierten “Nachfolge und Autorität” ist ein zentrales Medium die Sprache, die lebendige Schilderung eines Bildes, einer Szenerie, einer Märchenstimmung und dann das künstlerisch gestaltete Sprechen von Reimen, Versen und Gedichten bis hin zum Schauspiel, die Schrift und das gemalte Bild bei der Gestaltung eines Epochenheftes, das gesungene oder auf der Flöte gespielte Lied. Die Reihe der Beispiele ist endlos. Natürlich kommen dann später andere Medien ins Spiel, wenn eine gesunde Basis des eigenen Erlebens gelegt ist. Gleiches gilt für das Rechnen, das qualitative und quantitative Erleben von Zahlen und Mengen, ehe dann zum Berechnen komplizierter mathematischer Vorgänge in der Oberstufe der Taschenrechner eingeführt wird,
Es wird aber kaum möglich sein, Kindern generell keine Handys zu geben, bis sie 13 oder 14 sind. Das mag in einzelnen Waldorfklassen- oder Schulen, wo sich Mehrheiten von Eltern zusammentun funktionieren, bei der Mehrzahl der Kinder aber sicherlich nicht. Nicht zielführend ist es, wenn die Lehrpersonen noch weniger Ahnung haben als die Kinder. Hier sind Vorbild und Nachahmung entscheidend, denn es wirkt sich auf das Verhalten der Kinder aus, wenn Eltern und Lehrer auch in jeder freien Minute am Handy hängen, oder eben nicht.
Da kommt mir die Hattie-Studie wieder in den Sinn, in der der der neuseeländische Bildungsforscher die falsch verstandene “Individualisierung” thematisiert. Dazu hier auch ein Interview mit John Hattie “Weniger Lehrplan - mehr Leidenschaft”
Dass man Individualisierung überhaupt auf diese Art falsch verstehen kann hätte ich nicht gedacht. Es scheint aber eine Tendenz zu sein, dass Forschungsergebnisse herausgelöst aus ihrem Zusammenhang betrachtet und kolportiert werden und die Politik dann daraus Sparversionen macht, die effektiv weniger Arbeit und Förderung am Kind bedeuten, dann aber mit den Label der Forschungsstudien versehen werden. Anders verhält es sich mit der Inklusion im Grunde ja auch nicht.
Geht man von einem digitaltechnisch inkompetenten Lehrer aus, dann bleibt das Kind faktisch in der Luft hängen, weil ihm liebevolle Autorität und Orientierung fehlen. “Individualisiert” man es zudem, lässt man es wirklich alleine mit dem, was es tun soll, da sind dann die anderen Kinder auch keine beispielhaften Vorbilder mehr. Es hat also nur noch sich selbst als Vergleich. Aber woher bekommt es seinen Input? Aus dem Handy, dem Tablet? Keine basale Erfahrung, weder wirkliche Sinneseindrücke noch sich daran anknüpfen lassende Erlebnisse.
Es stellt sich unmittelbar die Frage, wie ein Kind und dann Jugendlicher es durch die Pflichtschulzeit bis nach oben zum Schulende hin überhaupt schaffen soll, wenn ihm schon unten der Boden entzogen wird, den es im Grunde überhaupt nicht gefunden hat? Zusätzlich wird dann noch vermehrt getestet, gefördert und gefordert, Stichwort: “Fehlerfahdung”. , dies allerdings mit mäßigem Erfolg.
Kurz gesagt: wo nichts ist, kann man auch nichts üben und fördern.
Nicht sitzenbleiben zu können ist im Grunde die einzige Möglichkeit wirklich das Ausbildungsziel der Schule vielleicht zu erreichen.
Kein "Abschluss ohne Anschluss" war vor einigen Jahren die Devise, von der man sich die Rettung versprach, jetzt gibt es zwar viele freie Lehrstellen, aber niemanden, der sie besetzen kann, einfach, weil die Jugendlichen arbeits- oder ausbildungsunfähig zu sein scheinen. Das “Geld” verdienen hat Vorrang vor der Ausbildung (Bertelsmann-Studie 2025)
An dem Punkt ist eine Situation erreicht, wo es überaus unsinnig ist, hier und da ein wenig nachzubessern, Ziele zu schärfen, Leistung einzufordern und schließlich mit Konsequenzen zu drohen.
Abschieben und Wegsperren, das gilt nicht nur für Ausländer und Straftäter, das beginnt schon ganz weit unten im Kindesalter. Als Ideal wird Inklusion oder nachhaltige Entwicklung draufgesetzt. Im Grunde sollte man dann konsequent die Schulpflicht abschaffen, oder?
Stattdessen ist die Ganztagspflicht ein angekündigtes Thema. Eltern wird zwischen den Zeilen eine generelle Inkompetenz bescheinigt und für den gemeinen Lehrer sind sie die größten Feinde. So, jetzt reicht es aber. Genug der Schwarzmalerei.
Ich glaube, es ist sehr sinnvoll, ernsthaft dieses polar formulierte Thema genauso mit allen möglichen Facetten auszuloten, ruhig ein bisschen polemisch aber doch sauber strukturiert und argumentiert. Einige Bereiche haben wir schon einmal bearbeitet, allerdings scheint der Zusammenhang jetzt ziemlich komplex und droht unübersichtlich zu werden.
Ich bin mir sicher: unsere erste Überlegung war gut und richtig, nämlich zu versuchen als Werklehrer einen Schulterschluss mit der “Digitalisierung” hinzubekommen. Wir müssen uns die Hand reichen, im Interesse der Kinder.
Natürlich nicht! Schule abschaffen ist nicht der Weg.
Ich bin ja selbst mit zwei besten Beispielen in meinem persönlichen Umkreis verbunden, wo sich deutlich gezeigt hat, dass fehlende Pflichtfürsorge schon im Säuglingsalter im Grunde ein NoGo ist. Dass diese Kinder heute in die Schule gehen müssen ist schon ein Segen für sich. Das meine ich durchaus ernst. Bei ihnen ist das Tablet das Lernmittel der Wahl. Für sie trifft auch zu, was Hattie schreibt. Allerdings frage ich mich, ob das unser Maßstab als Waldorfschullehrer sein kann? Oder darf?
Natürlich darf er das, muss es vielleicht auch angesichts der Schicksale, die Kinder heute erleiden müssen. Ja, auch der Tropfen auf den heißen Stein ist immerhin ein Tropfen. Auch Ratlosigkeit ist ein Zustand, der hundert mal besser ist als knackige rechte Parolen und völkisch nationales Geschrei.
Dass Kinder in die Sonderbeschulung "abgeschoben" wurden, wenn sie die Leistung nicht brachten, hat mich vor 50 Jahren dazu bewogen die Alternative zu suchen. Ich habe sie gefunden und für mich zu einem Lebensmotiv werden lassen, auf der ganzen Linie, zuhause auf der sozialen Pflegeschiene und in meinem anderen Beruf auf der Bildungsschiene. In der ganzen Zeit wurde ich mit der Zeit immer "vernünftiger" und habe gelernt effektiv zu relativieren, um das irgend Machbare zu erreichen. Ich glaube, da habe ich eine Menge bewegt und geschafft. Allerdings habe ich auch immer meine Visionen behalten. Vielleicht war mein Entschluss, Waldorflehrer werden zu wollen eine Trotzreaktion, bestimmt sogar, aber es war eine gute, von der ich heute sagen kann: zum Glück habe ich mich so entschieden und bin keinen “Eierweg” der Abwägungen gegangen.
Dabei habe ich meinen radikalen Weg zu denken nie aufgegeben. Dass ich dazu einen gewissen Realitätssinn entwickelt habe, auf den ich mich auch gut verlassen kann, da bin ich mir sicher.
Aber genauso habe ich mich wieder aus der Situation befreit, einem System angehörig zu sein. Damals, 1977 war ich das auch nicht. Auch jetzt als Rentner kann ich wieder tun, was ich will und verfüge, anders als damals über ein bedingungsloses Grundeinkommen, was wirklich nicht unwichtig ist. Wir können radikal denken und wir setzen uns mit unseren Gedanken mehr und mehr durch, zumindest regen wir andere Menschen an und geben ihnen eine gewisse Orientierung in ihrer Haltungsfrage.
Walter Motte, ein alter von mir durchaus verehrter Waldorflehrer pflegte für sich zu sagen: "Vor die Erziehung hat der liebe Gott die Selbsterziehung gesetzt." Er war wohl durchaus auch burschikos in seinen Methoden, aber diese Haltung hatte es mir angetan und mich immer wieder als Lehrer motiviert, wenn ich auch durchaus nicht sicher bin, wie erfolgreich ich damit war, aber darauf kommt es auch nicht an. Hier zählt echt das vom Bewusstsein gelenkte Bemühen und dafür gibt es viele Wege.
Ich habe viele schlechte Lehrer in meinem Leben kennengelernt, ich war sicherlich manchmal auch einer von ihnen, aber ich habe mich immer bemüht, Tag für Tag und Stunde für Stunde. Manchmal hatte ich auch echt den Kaffee auf. Ich habe selbst als Schüler unter “grottigen” Lehrern gelitten, aber auch als Kollege unter einer bisweilen unsäglichen Faulheit, beides allerdings ertragen und beides hat mich auch zu dem gemacht, was ich heute bin.
Eins gilt heute aber nicht mehr: ich muss sie nicht ertragen und kann ohne Schnörkel ihr Verhalten anprangern in meinem Denken und in meiner Vorstellung verurteilen und gleichzeitig alles daran setzen, junge Lehrkräfte und Studierende bei ihrer Arbeit zu unterstützen, wenn sie das wollen.
Dass wir als "Schule" dazu tendieren den Kindern die Lust am Lernen auszutreiben habe ich schon mehrfach geäußert. Wenn das allerdings überhand nimmt und Kinder tatsächlich durch schulische Methoden lernbehindert werden, dann ist es nur ein kleiner konsequenter Schritt, die Schulpflicht abschaffen zu wollen.
Als ich ein junger Lehrer war, kam die Idee auf, es solle Bildungsgutscheine geben, die Eltern für ihre Kinder würden einlösen können, da, wo sie glaubten, dass ihre Kinder die beste Bildung bekommen würden.
Die Schulpflicht ist geltendes Recht, da führt kein Weg dran vorbei, aber es gibt auch ein Schulrecht, das jeder das Recht hat zwölf Jahre eine Schule zu besuchen. Dieses Recht nahm und nimmt die Christian Morgenstern Schule in Wuppertal für ihre (Förder-)Schüler in Anspruch, so dass sie ihre zwölfjährige Waldorfschulzeit zu Ende absolvieren konnten und können.
Ob es tatsächlich ein Recht auf Schulverweigerung gibt, weiß ich nicht, allerdings rückt das dann auf die Schiene der Erkrankung. Genauso wie es Arbeitsunfähigkeit gibt, gibt es auch Schulunfähigkeit. An der Stelle kommt dann die Ratlosigkeit aller Beteiligten und Berechtigten ins Spiel. Als I-Tüpfelchen haben wir noch die Salutogenese, die heilende Erziehung im Gepäck. - Wieder eine große Welle.
Tatsächlich folgen wir einfach nur den elementaren menschenkundlichen Gesichtspunkten, wenn wir das "Werken mit den Kleinen" propagieren, für die aus den ersten Jahrsiebt herüberklingende Zeit, in der das Lernen noch gemeinschaftlich nachahmend willensbasiert auf elementar natürlichen Erfahrungen ist.
"Das digitale Arbeiten mit den Großen" hingegen gehört auf eine Ebene auf der individuell erfinderisch innovativ intellektbasiert auf grundsätzlich künstlich synthetischer Basis gelernt wird. Allerdings: flankiert von zunehmend freier künstlerischer Arbeit und sozial verankerten Willensimpulsen.
Um das zu lernen, könnten Schüler etwa in der 10. Klasse einmal in die Welt hinaus geschickt werden, von ihren Lehrern, wie es vor etlichen Jahren einmal in Düsseldorf gemacht wurde.
Aber dafür braucht es den viel- und gern beschworenen “Arsch in der Hose”, oder angemessener ausgedrückt: einen fantasievoll reflektierten gründlichen Blick auf die Entwicklung und Bildung von Kindern und Jugendlichen.
Zentrale Prüfungen zu fixen Zeiten machen so etwas zentral und flächendeckend unmöglich. Das haben wir beschrieben, als es um Parzival ging. Im Grunde habe ich die ganze Zeit über den aktuellen Wochenspruch aus dem Seelenkalender (31. Erste Novemberwoche), GA 40) gesprochen.
Das Licht aus Geistestiefen,
Nach außen strebt es sonnenhaft,
Es wird zur Lebenswillenskraft
Und leuchtet in der Sinne Dumpfheit,
Um Kräfte zu entbinden,
Die Schaffensmächte aus Seelentrieben
Im Menschenwerke reifen lassen.
Nein, es geht nicht um Werken und Digitales, es geht darum, dass wir den Lehrplan von diesen beiden Polaren aus neu denken und inhaltlich gestalten müssen, wenn wir wirklich "was" erreichen wollen.
Dazu wollen wir interessierte Persönlichkeiten, wie die Professoren Damberger (Freie Hochschule Stuttgart) und Krautz (Bergische Universität Wuppertal) gewinnen. Dass wir im Ansatz richtig liegen, zeigen die Reaktionen tätiger Lehrkräften und Workshopteilnehmender, "dass wir das für sie vorantreiben".
Dass Studierende, die Lehrkräfte werden wollen genau das Elementare jetzt lernen wollen ist doch vielversprechend.
Ich denke, dass unser Überblicksdiagramm aus 2021an der Stelle schon ziemlich gute Dienste leistet, vor allem der Aspekt der beiden Prozessrichtungen:
der Kopf ist das bei der Geburt am weitesten entwickelte Organ, Rumpf und Gliedmaßen müssen im 1. Jahrsiebt vor allem eines tun: wachsen, dafür brauchen sie voll und ganz die ätherischen Kräfte, und zwar durchaus noch ein Stücken über den Zahnwechsel hinaus. Aber es ist nicht nur ein bloßes Wachstum, der Körper wird innerlich durchplastiziert und geformt, vor allem die inneren Organe. Alles was es braucht, hat das Kind mitbekommen, seinen gesamten Leib hat es geerbt, die "Weisheit" was entwicklungsmäßig zu tun ist hat das von Geburt an und ganz eng bei sich sich. Das Entwicklungsziel besteht darin, dass sich der gesamte physische Leib von innen heraus in den ersten sieben Lebensjahren komplett erneuert und individualisiert.
Erziehung besteht darin, dass dem Kind eine Umgebung geschaffen wird, in der es sich selbst individuell, aus dem, was wesenhaft vorhanden ist intuitiv ausbilden kann. Dazu aber braucht es eben diese Umgebung aus der es alles aufsaugen nach Lust und Laune nachahmen kann, wie es das braucht.
Erst wenn diese Phase beendet ist und die Bildkräfte ihre Arbeit abgeschlossen haben, kann der nächste Schritt eingeläutet werden, sich an dem zu orientieren, was ein anderer Mensch ihm als Input bietet. Das Kind verlässt sich "blind" darauf, dass sein Lehrer weiß, was er tut. Was jetzt entwicklungsmäßig dran ist, ist der gesamte Gefühlsbereich mit seinen innewohnenden Prozessen. Erinnern und Vergessen spielen jetzt eine entscheidende Rolle, ebenso die Inhalte, die so aufbereitet sein sollen, dass sie reich an lebendigen Bildern sind, die das Kind innerlich "verdauen" kann. Es erwacht zusehends ein sicheres Gefühl für Raum und Zeit, der Rhythmus als der innere Organisator muss sich harmonisieren können hin zu einem stabilen Verhältnis von 1:4, was Atem und Puls angeht. Was sich daran orientiert ist das rhythmische Verhältnis der beiden Wesensglieder Äther- und Astralleib, die trennen sich täglich beim Einschlafen und verbinden sich wieder beim Aufwachen. Der Astral- oder Empfindungsleib hat dabei einen Turnus von 7 Tagen, der Äther-, Bildekräfte- oder Lebensleib hat einen Turnus von 4 x 7 Tagen.
Ein Unterrichtsthema, etwa eine Rechenepoche sollte also etwa genauso lang sein, denn dann ist es innerlich seelisch so durchgekaut und verdaut worden, dass es in den Bereich der ätherischen Organisation absinken und vergessen werden kann. Während ein neues Thema zum Unterrichtsgegenstand wird, verwandeln sich erworbene und vergessene Kenntnisse und Fähigkeiten in Fertigkeiten, die dann ein Vierteljahr später wieder erinnert und wachgerufen werden können und dann dem Kind zur Verfügung stehen für eine weitergehende und vertiefende Behandlung in einem neuen thematischen Zusammenhang.
Was die rhythmische Organisation der übrigen Wesensglieder angeht, ist gut zu wissen: ein Gedanke des Ich braucht etwa eine Sekunde, der physische Leib etwa ein Jahr, dann ist ein Ereignis, etwa der Tod eines Menschen vollständig verarbeitet und in die physische Organisation integriert, ebenso ist dann der Punkt erreicht, an dem ein neues Schuljahr begonnen werden kann, nach einer Pause mit einem neuen Start für die ganze Klasse.
Nach acht Jahren endet dann idealerweise die Klassenlehrerzeit und die Oberstufe beginnt, wo jetzt das Denken die Ebene ist, auf der "Lernen" und Erziehung ansetzen sollten. Hier ist es vor allem die fachliche Kompetenz des Lehrers, die von zentraler Bedeutung ist. Lernen vollzieht sich jetzt auf der Ebene "Versuch und Irrtum" mit dem Ziel, ein gerichtetes Denken zu entwickeln und hier zu einen gewissen inneren Freiheit der ausgewachsenen Individualität zu gelangen. Alles ist irgendwie angelegt und entwickelt sich mit der Zeit. Zeitliche Vorgriffe (wie Früheinschulung) sind genauso wenig zielführend wie zeitliche Bremsen (Sitzenbleiben). Entwicklung hat ihre eigenen Gesetze und Erziehung ordnet sich da ein. Inhalte sollten sich entsprechend orientieren.
Das Kapitel des kleinen Werkers beschreibt im Grunde das ganze Thema und wie es sich im Verlauf der Kindheitsjahre auffächert. Da können wir dann wirklich sagen: das Kind ist ganz Willen und: nichts bremst dieses Wollen. Natürlich verlangt das Kind auch nach der "Bremse", dem Einhalt, dem Gegenüber, das ihm die Schranken aufweist und ihm deutlich macht, wo es lang geht. Da kann sich das Kind selbst erfahren und bekommt eine erste Chance zur "Besinnung" zu kommen, sich seiner selbst bewusst zu werden, um dann innerlich neu ausgerüstet die zweite Hälfte seines ersten Lebensjahrsiebts anzugehen. Tatsächlich sucht das kleine Kind die äußere Grenze, die Hülle, die es mit seinen von außen fühlbaren Tritten schon im Mutterleib erforscht hat.
Mit der Geburt stellen sich sofort zwei Aufgaben, die es angehen muss: das Atmen und das Trinken, dann das Schlafen. Nach dem Aufwachen fangen die Augen an zu schauen und lassen alles an Sinneseindrücken herein, was es gibt. Gerne werden die Augen auch die Tore zur Seele genannt.
Was das Kind aufnimmt, seine ersten Sinneswahrnehmungen, “schießen” förmlich sofort durch den ganzen Leib und das äußert sich im begeisterten Gestrampel mit den Beinchen, dem suchenden Gefuchtel mit den Ärmchen und dem Greifen-wollen der Händchen. Deshalb muss etwas da sein, erreichbar, das es be-greifen kann. Jeder "Begriff" hat ein freudiges Juchzen zur Folge, dass sich mitunter mächtig steigert, lässt man das Kind einfach in Ruhe arbeiten.
Ist es mit der "Arbeit" fertig, lässt es ein anderes Geräusch ertönen und signalisiert, dass es jetzt Hunger hat. Wird der "gestillt", ist es sofort ruhig und trinkt. Nicht jedes "Schreien" bedeutet "Hunger", manchmal will es auch etwas, das wir nicht leicht erraten können, wovon wir als Erwachsene anfangs auch nicht genau wissen, was es ist. Da macht es dann den Eindruck, als strenge das Kind sich an. Jede Anstrengung, das kennen wir, wird begleitet von Geräuschen, so als wollten wir uns dadurch selbst noch ein wenig zusätzliche Kraft verleihen, etwa um eine Hürde zu nehmen. Mitunter kann das ein Schrei sein, etwa wie von einem Tennisspieler beim Aufschlag zu einem Match. Das Stoffwechseln bei der Verdauung etwa ist eine Tätigkeit, die sehr anstrengend sein kann, besonders, wenn etwas nicht leicht verdaulich ist.
Zum Schlafen ist es günstig eine bedeckende Hülle zu spüren, beim Wachen muss diese Schlafhülle weg. Wird das Hungerbedürfnis jetzt ernst, dann artikuliert das Kind das durchaus. Jetzt ist der Moment des Stillens gekommen. Tatsächlich entsteht durchaus der Eindruck, das kleine Kind habe es eilig, so, als würde es alsbald verhungern. Dann ist die Lust unbändig und hat durchaus etwas von der energiegeladenen Sympathie, die ein Löwe aufbringt, wenn er hungrig auf der Jagd ist: er muss seine Beute erlegen, sonst gibt es nichts. Wenn das Kind nicht gehört und sein Hunger nicht gestillt wird, prägt sich das tief ins "Gedächtnis" des Kindes ein, wird es bei jedem kleinen Pieps gestillt, zeigt das auch seine Wirkung, die signalisiert: ich muss mich nicht anstrengen, es geht auch so.
Letztlich sind das kleine Ereignisse, die später eine große Wirkung entfalten können. Ja, das kleine Kind hat etwas vor in seinem Leben. Es will etwas können und mobilisiert dafür alle Kräfte, die es hat, in erster Linie ist es sein Willen, ein unbändiger Willen, der einfach nicht aufgibt, ehe es geschafft ist: im Liegen etwas erreichen, ergreifen und festhalten und sich zu eigen machen.
Dabei lässt sich gut eine über den Tischrand baumelnde Tischdecke herunterziehen. Das kann gefährlich werden, deshalb muss der Erwachsene die Umgebung sicher gestalten, allerdings durchaus aber auch angemessen reizvoll belassen. Alles will erforscht werden, noch macht das Kind keinen Unterschied zwischen Spielzeug und dem wo es nicht drangehen darf.
Tatsächlich zeichnet sich in den "Willensäußerungen" des ganz kleinen Kindes sehr deutlich die Bedeutung der "Umgebung" ab, die wir als Erwachsene für die Kinder "erschaffen" und zwar alle Facetten, wozu eben auch Berührung, Stimme, Sprache, die seelische Schwingung, das Schaukeln und mit-atmen gehören.
In einem sehr hörenswerten Radiointerview schildert der Berliner Arzt Klaus Beyer die überaus große Wichtigkeit von Berührung und Kontakt auch für die körperliche Gesunderhaltung. Gegen Ende des Beitrags bemerkt er allerdings, dass er das häufig beobachtbare Phänomen, Eltern mit Kind im Kinderwagen in der U-Bahn und die Eltern schauen jeder für sich in ihr Smartphone gar nicht so kenne, es aber im Grunde für sehr bedauerlich halte, es sei allerdings wissenschaftlich noch nicht untersucht.
Der anerkannte Wissenschaftler schaut sehr speziell und umfassend auf das Berührungsthema, schildert Erkenntnisse aus der aktuellen Forschung und bekommt gleichzeitig das Offensichtliche im Alltag nicht mit, so meine durchaus unwissenschaftliche Einschätzung.
Tatsache ist aber, dass das "Umgebung abgeben", wie Steiner es formuliert das A&O ist, zu Beginn des Lebens in der unmittelbaren und persönlichen Zuwendung. Dann wächst zusehends die Bedeutung der Gruppe, die Rolle von Familie und Geschwistern, die soziale Gemeinschaft, das Eingehen und Lösen von Bindungen zu gleichaltrigen Mädchen und Jungen, die Freundschaft, die mitunter ein Leben lang halten kann, das Interesse an Menschen, die Bedeutung spontaner Begegnungen, Beziehungen, die aus einer gemeinsamen Tätigkeit, einem Interesse, einem Beruf, einem Verein herrühren, auch aus Tradition.
Unsere Zielformulierung in der Waldorfpädagogik ist das Erlangen einer inneren seelischen Freiheit in einem sozialen Kontext, durchdrungen von individuellen Willensimpulsen. Die Etappen auf dem Entwicklungsweg sind das Mitahmen und das sich daraus entwickelnde Nachahmen, die Nachfolge einer Gruppe von Autoritäten, die es sich zur eigenen und kollektiven Aufgabe gemacht haben zu erkennen, welches die Rätsel sind, die das einzelne Kind in der Gruppe einer Klasse mitbringt. Sie halten Schritt mit der Entwicklung der Kinder in ihrem jeweiligen Lebensalter und bereiten die zu vermittelnden "Lerninhalte" so auf, dass wiederum jedes einzelne Kind aus diesem Angebot das aussuchen kann, was es gerade für seine Entwicklung zu diesem Zeitpunkt braucht, allerdings auch immer und jederzeit mitbekommt, was diesbezüglich in der "Klasse" lebt.
So kann sich das Lernangebot auf vielfältige Weise ergänzen und bleibt jederzeit sozial eingebettet. Vor allem ist es zu jedem Zeitpunkt "originell". Was so gelernt wird ist absolut neu und noch nie so dagewesen, ein wahrer Schöpfungsakt, jedenfalls im Erleben des Kindes.
Die meisten 4-5jährigen Kinder kennen die Buchstaben und können sie lesen und schreiben. Sie dann als Erstklässer in der Schule zu "lernen" bringt das Erleben der seelischen Qualität der Laute, der Klinger und Mitklinger mit sich und sie können mitfühlen, wie aus einer Geschichte heraus eine lebendige Figur erscheint, ein Königssohn etwa, der dann von der handelnden Person im Fortgang der Geschichte zu einem Bild gerinnt in einer typischen Gebärde. Dazu gesellt sich dann die erhellende Information des Lehrers oder das bereits vorhandene Wissen einzelner Kinder, dass sich in diesem Bild ein Buchstabe versteckt, "K", ein Laut, der für sich gesehen noch nicht klingt und erst mit einem Klinger (Vokal) zu etwas klagvollen werden kann. So kann ein Königssohn entstehen, aber auch ein Kamel, oder ein Kind, eine Kutsche, eine Katze, eine Kugel, ein Kochtopf. Jetzt ist die Fantasie aktiviert und aus den Kindern sprudelt soviel Verschiedenes heraus, darauf wäre ein einsamer Lernprogrammprogrammierer oder -designer vermutlich nie gekommen.
Den Beweis dafür erbringen zu wollen ist müßig. Alles bis dahin ist entstanden aus der Begegnung, der Beziehung, der Sprache des Lehrers, dem Zuhören des Kindes, kurzum, viele einzelne Komponenten, die zusammen eine frisch zubereitete Mahlzeit ergeben, die nur jetzt und nur hier in dieser Runde von Menschen so schmeckt. Der Zubereitungsprozess hat sie verdaulich und lernbar werden lassen. Am nächsten Tag wird es ein neues Gericht geben, das dem vom Vortag vielleicht ähnelt, aber auch wieder neu und frisch ist, mit einem Wort: kein Fertiggericht. Im Übrigen sprechen wir gerade von Medien. In der Beziehungspflege liegt die größte Medienkompetenz, gleich von Anfang an.
Lernen und Verdauung sind zwei ihrem Wesen nach sehr verwandte Ereignisse, die sich beide in uns abspielen.
Der Prozess der Genmanipulation hat in uns schon einen deutlichen Widerstand wachgerufen und Ängste geschürt, dabei ist das Züchten und Kreuzen eines an bestimmte Umweltbedingungen angepassten Saatguts ein seit Jahrzehnten erforschtes Verfahren. Ob das Essen, das wir verzehren in der Anlage genmanipuliert ist, wissen wir häufig nicht, was es in uns anrichtet, ebensowenig. Irritierend und vielleicht verstörend ist die wenig transparente Ungewissheit.
Digitale Lernmittel und Medien sollten uns genauso aufhorchen lassen, denn da wissen wir auch nicht, was "drinsteckt" oder vielleicht dahinter und welche Botschaften quasi insgeheim mitgesendet werden. Letztlich kann es nicht qualitativ über das hinaus gehen, was der Designer hineinprogrammiert hat, oder was auf dem Umweg über die KI hineingedacht worden ist. Hier muss ich als Lernender in der Lage sein schon sehr differenziert und genau zu fragen, wenn ich eine stimmige Antwort bekommen möchte.
Natürlich hat ein Lehrer auch vorbedacht, was er den Kindern in der Schule anbietet, aber das hat er originär für diese Kinder entwickelt, auf der Basis seines eigenen Bemühens herauszufinden, was sie für ihre Entwicklung als anregende Impulse brauchen. Die Lehrbuchfrage war schon 1919 ein Thema, Lern- und Arbeitsmedium sollte das vom Kind selbst gestaltete Epochenheft sein. Das vorgefertigte und verlagsmäßig vorgelegte Schul- oder Lehrbuch entsprach dem persönlichen und waldorfpädagogisch angestrebten Beziehungsgefüge von Lehrkraft und Schüler nicht. Zumindest nicht in der Unterstufe. Zumindest nicht dem postulierten Idealbild.
Anspruch und gelebte Wirklichkeit vermittelten nicht unbedingt das gleiche Bild.
Während Schulbücher im Zuge der Lernmittelförderung staatlich refinanziert aber in der Waldorfschule nicht gern gesehen wurden, verursachten Fotokopien hohe Zusatzkosten, fielen aber nicht so auf. Immerhin steckte ja noch eine individuelle Stoffauswahl dahinter. Die Zeiten, in denen Schnipsel verklebt und neu zusammengesetzt wurden, um dem Ganzen einen neuen Auftritt zu verleihen, sind vorbei. Das Gleiche bekommt man jetzt digitalisiert perfektioniert als Oberfläche für Tablet und Whiteboard, selbst erstellt oder als vorgefertigtes Produkt im Abo. Die attraktive Nebeninformation: Man könne seine Zeit als Lehrer nützlicher und effektiver einsetzen und etwas sinnvolleres tun.
Tatsächlich ist aber die Frage sehr berechtigt, was eine pädagogische Tätigkeit sinnvoll sein lässt, was ihren Sinn ausmacht, worin ihr Sinn im Zusammenhang des kind- und schülerorientierten Lern- und Entwicklungsprozess besteht.
Einer der letzten guten Gedanken an den kommenden Workshop war, dass es ja wichtig ist, dass die Studierenden einander kennen, zumindest mit Namen, um sich gegenseitig ansprechen zu können und dass das "du" ganz normal ist, wenn man miteinander arbeitet und wir ja im Grunde zumindest an den beiden Tagen "Werklehrer" sein würden, auf Augenhöhe. Ich fand es schon sehr beeindruckend, dass sie am Wochenende in die Uni kommen zum Arbeiten. Das hätte ich selbst damals im Leben nicht gemacht. Allerdings irgendein mir bekannter Dozent auch nicht.
Vielleicht sind Namensschilder gut, damit ich sie auch ansprechen kann. Auch würde mich interessieren, warum sie dieses Seminar gewählt hätten. Werken ist "bei sich sein" bei gleichzeitiger "Wahrnehmung der Umgebung", des nächsten Nachbarn. Will ich mit Kindern werken, muss ich das beherrschen so gut es geht. Dazu gehört "wach sein mit allen Sinnen", ein permanentes Zwischending zwischen Selbsttätigsein und Bewachen.
Mir fällt bei der Vorbereitung gerade ein, dass ich in meinem ersten Klassenlehrer-Durchgang in der 3. Klasse während der Handwerkerepoche im Klassenraum ein Regal gebaut habe, während die Kinder an ihren Aufsätzen geschrieben haben. Erst als das klappte, haben wir mit dem Schnitzen in der großen Runde angefangen.
Diese Übungsnuance hatte ich vergessen: mitkriegen, dass irgendwas Interessantes passiert und sich gleichzeitig nicht ablenken lassen vom eigenen Tun, ohne dass permanent die “Peitsche kreist”.
Im Grunde war das eine ganz schöne Anforderung an die Klasse und ihre "Ich-Kräfte", die Sequenzen waren kurz, dafür regelmäßig. Im Grunde die gleiche Situation wie beim Malen, wenn ich mitgemalt habe. Die Kinder konnten so erfahren eigenständig zu lernen, ohne allein gelassen zu werden.
Damit sowas geht, muss es Beziehung geben und dafür muss man sich kennen und wahrnehmen und interagieren dürfen.
Ich habe das unangenehme Gefühl, dass genau da der Hase im Pfeffer liegt, wenn "Individualisierung" schon bei den Kleinen propagiert wird und fördern und fordern die Aktionsmaximen des Lehrers sein sollen. Eine instrinsische Motivation des Kindes hat da keine Chance.
Der Workshop hat gezeigt, wie wichtig es ist, dass angehende Lehrkräfte in der Lage sind, ihre Hände fachkundig zu gebrauchen, in diesem Fall das Flechten und Schnitzen zu lernen. Natürlich auch Papier falten, Nähen, Fingerhäkeln, Ton formen etc.
Ludwig Pallat hat Anfang des 20. Jahrhunderts diese handwerkliche Fachkunde in Berlin von allen pädagogisch Tätigen gefordert und es Teil der behördlichen “Unterrichtsgenehmigung” werden lassen, der Not des Nachkriegsmangels geschuldet.
Rudolf Steiner hat um die gleiche Zeit angemahnt, dass die Kinder durchaus “früher” als erst in der 6. Klasse werken sollten. In der Menschenkunde hatte er das gehirnstrukturbildende Wirken der Handtätigkeit schon ausgeführt.
Hella Loewe hat zu Beginn der 2000er Jahre in ihrem Plastizierkurs mit den "Kleinen" diese Notwendigkeit aufgegriffen. Natürlich mahnt auch sie schon die kontraproduktive Wirkung des Fernsehens an. Dass kleine Kinder einmal ein kleines digitales Medium besitzen würden, das je nach Lust und Laune immer und überall einen Reiz(ersatz) parat hält und verfügbar macht hätte sie sich nicht träumen lassen.
Eine Studierende schilderte in der Reflexion ihre Lebenssituation, sie als älteste Tochter in einer Familie mit Migrationshintergrund, mit schon alten Eltern, vier Geschwistern, davon ein Bruder im Kindergartenalter, der immer das Handy zum “Selbstbeschäftigen” in die Hand bekommt, wenn er den Eltern auf die Nerven geht oder sie keine Zeit für ihn haben. Draußen spielen mit seiner Schwester will er nur kurz, ihm sei schnell langweilig, er wolle dann lieber reingehen und mit seinem Handy spielen.
Sie habe in dem Workshop gelernt, dass sie durchaus mit ihm “arbeiten” könne, sie sei sicher, das würde ihn reizen, aber sie müsse das dann auch immer mit ihm machen. Er weise alle Formen von Verhaltensauffälligkeiten auf, von der sie in ihrem Studium gehört hätte. Dass aber die Handtätigkeit so wichtig und wirksam sei, das habe sie erst jetzt erfahren und am eigenen Leib gespürt, wie wohltuend, beruhigend, anregend und einfach schön es sei, wenn man selbst mit seinen eigenen Händen etwas geschaffen hätte, von dem man tags zuvor noch keine Ahnung hatte, dass man es würde tun können, ohne sich ernsthaft zu verletzen.
Den Studierenden war durchaus klar, dass Handy oder Tablet als digitale Medien nur das hervorbringen können, was Menschen in sie hineinprogrammiert hätten, allerdings bar jeder Emotion.
Gefühllosigkeit wird kompensiert durch eine endlose Flut künstlicher visueller Sinnesreize. Diese werden noch verstärkt durch synthetisch produzierte auditive Sounds. Und wieder der gleiche Effekt: die Eigenmotivation des Kindes verschwindet, seine Willensimpulse, selbst etwas zu tun versiegen.
Tatsächlich nimmt die Diskussion über Einschränkungen und Verbote von Handynutzung und Zugang zu den digitalen Plattformen gerade wieder Fahrt auf, ein schierer Aktionismus, der allerdings erwartungsgemäß an der Halbherzigkeit der bestimmenden Politiker scheitern wird. Geradezu erfreulich ist es, dass seitens der Uni Wuppertal das interessierte Angebot kommt, im nächsten Semester den Workshop “Werken mit den Kleinen?!” noch einmal anzubieten. Natürlich wird es nicht um eine bloße Wiederholung gehen, das Thema muss neu gegriffen und weiter geführt und gedacht werden.
Als Ort einer unterrichtlichen Einbettung bietet sich tatsächlich der “Ganztagsbereich” an. Gebunden oder offen, er wird ein wirkliches pädagogisches Konzept vorhalten müssen. Auf dieses Thema werden wir am Ende noch eingehen.
Ich kann halt “Kutsche fahren” und und bei der Durchführung eines Workshops die Zügel locker lassen, die Pferde kennen schon den Weg.
Dabei kommt mir das Bild vom Wagenlenker in den Sinn, diese Bronzestatue aus Delphi. Interessanterweise hat eine der Workshopteilnehmerinnen genau eine solche Skulptur geschnitzt, statt des Löffels aus dem vorgesägten Lindenklötzchen. Beim Anschauen hatten wir einen Engel gesehen, auch nicht falsch.
Das Wagenlenkerbild ist eine wunderbare Abrundung dessen, was in dem Workshop entstanden ist.
Tatsächlich haben nur geschnitzt und geflochten, zwei basale Tätigkeiten und haben dabei elementare Fertigkeiten erfahren und erlebt, quasi das Gefühl entwickelt, dass man für das Unterrichten ein "Händchen" haben sollte, besser, muss. Das zeichnet letztlich einen guten Lehrer aus.
Ja und dann ist es es der "Pakt" mit dem Engel, nicht mit dem Teufel, den haben die Digitalisierer geschlossen. Denn der "Engel" ist bereits gefallen.
Der Pakt mit dem Engel ist eigentlich nichts anderes als die Sphäre zu realisieren, aus der die Kinder kommen, wir auch, nur ein bisschen früher in der Zeit, aber das tut nichts zur Sache. Und unser Job ist es, die Rätsel zu lösen, nein, das Rätsel, das uns das Kind aufgibt, mit ihm herauszufinden, was es auf der Erde will, was seine Impulse sind, was es bewirken möchte. Dabei wollen wir es auf die beste Weise unterstützen. Ein mutiges Unterfangen.
Wir sind nicht "Wissende", wir sind "Suchende" und können eigentlich nur erahnen, wann der Zeitpunkt ist, an dem wir das eine oder andere Rätsel gelöst haben werden. Mit letzter Gewissheit wissen werden wir es eigentlich nie, das erlaube ich mir jetzt mal zu formulieren.
Diese Tatsache kann einen gewissen Fatalismus auslösen, der die Wissenschaftler ja gerne befällt, wenn es um so Dinge und Substanzen geht, deren Wirkung man nicht eindeutig und zweifelsfrei nachweisen kann.
Hinter vorgehaltener Hand weiß jeder, dass es die “Wirkung” gibt, aber sowas laut sagen, Gott bewahre. Das hätte dann etwas von "Glauben".
"Ich glaube an dich", was ist das für eine Vertrauen spendende, wertschätzende, kraftvolle, bodenständige, himmelorientierte Aussage! Man muss es ja nicht laut sagen, aber gut wäre es doch, jedenfalls ab und zu.
Denn: was fühlt das Kind, wenn es so einen Satz hört, egal, wie alt es ist, vor allem so als jugendlicher “Kotzbrocken”, dem eigentlich nur das Anecken gelingt und der vor allem eines erfährt: Abwendung, wo er sich doch insgeheim nach Zuwendung sehnt. - Nein, wir haben nicht die Lösung für jedes Problem und sind auch pädagogisch nicht allwissend, aber wir haben eine Idee, wo wir suchen könnten.
Das Kind ist seinem Wesen nach ein Werker, das ist sein allerfundamentalstes Motiv. Es will handeln, tätig sein vom allerersten Moment an, leben. Dazu muss es lernen, wie "leben" geht, dazu braucht es eine Umgebung an der und in der es genau das in Erfahrung bringen kann. Wir als Erwachsene gehen ihm ein Stückchen voraus und sollen ihm das vormachen, was es wert ist nachgemacht zu werden. Dass das Kind lernt wird niemand verhindern können und zwar alles. Es ist seiner Umgebung quasi schutzlos ausgeliefert, nicht ganz, es hat seinen "Engel", der es geleitet. Davon sollten wir einfach getrost mal ausgehen. Es steht in dessen Macht ein wenig das zu relativieren und zu korrigieren, was wir tagsüber dem Kind an Eindrücken "vorsetzen", nicht nur beim Essen, aber da auch. Des Engels Job findet in der Nacht statt. Auch das wissen wir, hüten uns aber zugleich auch das zuzugeben.
Das Kind ist ein "Werker". Es will etwas können. Nebenbei muss es das auch, denn genau das ist in seinem Leben so vorgesehen. Spätestens mit drei Jahren erlebt es zum ersten Mal sein "Ich" und artikuliert, dass es sich jetzt emanzipieren will. Wir Erwachsenen erleben genau das als "Trotz". Da sind wir dann gefordert und manchmal ratlos. Wir suchen vielleicht Ratgeber und finden sie, manchmal mehr und häufiger als uns lieb ist.
Ratschläge, die bekommen wir von solchen Ratgebern, was aber machen die mit uns? Zunächst signalisieren sie, dass sie es besser wissen als man selbst. Zweitens wird direkt das urteilende Gefühl gesendet, man habe etwas falsch gemacht oder mache es falsch. Auf jeden Fall entsteht Irritation, vielleicht zeigt man sich unterwürfig, vielleicht widersetzt man sich aber auch und behauptet sich, man will doch selbst bestimmt handeln.
"Hilf mir es selbst zu tun." - Dieses Motto propagierte Maria Montessori, wenn sie sich zur Sprecherin und zur Anwältin der Kinder machte. Sie hatte das Wesen der Kinder erkannt, dass diese “selbst” handeln wollten. Gleichzeitig war es ihnen aber noch nicht geben, vollständig autonom handeln zu können, sie brauchten die Hilfe des Erwachsenen, um ihre Autonomie zu erlernen.
“Hilfe” ist eine sehr feine Aktionsform. Man kann sie "gewähren", “leisten”. “stellen”. Manchmal wird sie aber auch aufgedrängt, ungebeten und ungefragt. Man kann stets eine gute Absicht des Helfenden unterstellen, allerdings kann sie bisweilen auch übergriffig wirken, gerade, wenn der Eindruck besteht, jemand, ein Kind etwa sei hilflos oder auf eine Weise behindert in seinem Tun.
Die Frage lautet gerade eben nicht: “Hilf mir und tu es für mich.” Sie beinhaltet vielmehr die Aufforderung: schau, was ich mache und erkenne vielleicht, was ich noch nicht kann. Dann hilf mir dabei genau das kennen und können lernen, mehr nicht. Aber lass mich nicht allein.
Als Lehrerin und Lehrer sollte man ein gutes Gefühl für genau dieses Detail entwickeln, die innere gespannte Aufrichte des Wagenlenkers, sein gerichteter Blick, seine locker haltende Hand, die aber jederzeit bereit ist entschieden zuzugreifen. Und gleichzeitig ist es neben der inneren die äußere Präsenz, da zu sein, zu führen, zu leiten und eben zu helfen, wenn es gefragt ist. Als Lehrperson ist man eindeutig nicht der Spielkamerad des Kindes oder gar der Diener und das Kind ist nicht der “Bestimmer”, der den Ton angibt.
Tatsächlich bringe ich die Studierenden auf eine Spur, die sie fühlen, von der ihnen aber wohl nicht klar ist, auf welchem Terrain sie gerade wandeln.
Ja, Waldorf ist eine Methode, aber es ist auch eine Weltanschauung, nämlich, wie ich die Welt anschaue und nicht, was für eine Meinung ich habe, welche Urteile ich vor mir hertrage auf Grund derer ich Menschen beurteile. Ja, dann geht es eben fortwährend um Selbsterziehung. Sich selbst in seinem Fertigkeitsbereich auszubilden und zu üben, das ist der Punkt. Das muss man wollen. Dann erwacht auch ein sicheres Gefühl dafür, was die Kinder wollen.
Dieses Familienthema, ihre Konstellationen und jeweiligen Aufgabenverteilungen haben viel mit dem Ganztag zu tun.
Traditionsgemäß war die Rollenverteilung klar geregelt: die Frau blieb beim Kind und hütete Haus und Hof, der Mann ging auf die Jagd oder aufs Feld und versorgte die Familie. War das schlecht? Nein. Erst als die Bewertung von außen hinzukam, die Wertigkeit eingeschätzt wurde, wohlgemerkt ging es um die Tätigkeit, nicht den Menschen an sich. Als dann die Wertschätzung als etwas angesehen wurde, auf das man ein Recht habe, wurde dies natürlich eingefordert.
Heutzutage müssen Kinder in der Regel "untergebracht" werden. Man braucht dafür einen Kitaplatz. Es wurde das Recht auf einen Kitaplatz eingeführt. Allerdings: Die Plätze reichen nicht, genauso wenig wie bei den Parkplätzen für Autos. An dieser Stelle trägt Familie nicht mehr.
Mittags, wenn Kinder früher aus der Schule kamen, war jemand zuhause. War dies nicht der Fall, gab es den den Hort als Verlängerung des Kindergartens als große altersgemischte Gruppe, die Schulkinder kamen zu den Kindergartenkindern dazu, wohlgemerkt noch ohne U3, nach dem Vorbild einer Familie.
Mit der Abschaffung der Schulreife und der Einführung eines Schulfähigkeitsprofils und der gleichzeitigen Einführung eines vorverlegten Einschulungsalters in NRW bekam die KiTa eine neue Aufgabe: die Kinder mussten schulfähig gemacht werden. Einfach "spielen" galt nicht mehr und sich dabei entwickeln und wachsen wurde pädagogisch motiviert, begründet und politisch verordnet gestört.
Es musste schneller gehen. Kinder sollten sich zügiger entwickeln, um früher reif zu werden, wobei "frühreif" immer schon eine fadenscheinige Bedeutung hatte. Irgend etwas stimmte dann nicht, war nicht stimmig. Bald merkte man, dass dieses "früh" Einschulen nicht wirklich funktionierte. Schulorganisatorisch wurde gegengesteuert, 2 Schuljahre konnten auch auf 3 gedehnt werden, wobei das Wort "sitzenbleiben" in dem Zusammenhang ausdrücklich als unerwünscht galt und nicht genannt werden durfte. Dass Kinder aus einem Klassenverband herausgenommen und das vergangene Jahr wiederholen mussten wurde als Gunst oder Entgegenkommen angesehen, ein Nachteil sollte ihnen dadurch nicht erwachsen.
Dass etwa der Lernprozess, vor allem der "relevanten" Inhalte durch dieses Vorgehen gestört werden könnte wurde nicht erwartet. Ebenso die Tatsache, dass sich ein "Lernen wollen" in ein "Lernen müssen" verwandeln würde. Was im Kind als intrinsische Lernmotivation natürlich vorhanden ist, versiegte. Der trotzigen Verweigerung des unangemessen behandelten Kindes wurde seitens der Schule Druck entgegengesetzt. Der Lernerfolg musste erzwungen werden, denn er ist und bleibt im staatlichen Schulsystem und den meisten pädagogisch begründeten Schulformen die Voraussetzung dafür "versetzt" zu werden und weiter zu kommen. Testungen waren das Mittel der Wahl. Sie sollten Ansporn sein, so die schulpolitische Erwartung. Allerdings ging die Rechnung nicht auf: die Test-Leistungsergebnisse blieben unterdurchschnittlich.
Als Reaktion und zur besseren Evaluation der Gründe für dieses Versagen wurde aktuell die Testrate heraufgesetzt, 5 statt bisher 3 und gesetzlich verfügt. Zeitgleich war schon zum Recht auf einen Kitaplatz den Eltern das Recht auf einen OGS-Platz zugesprochen worden. Die Umwandlung des Rechts in eine Pflicht steht als Möglichkeit ins Haus. Bislang können sich Schulen noch erfolgreich dagegen aussprechen. Wann nach der OGS-Pflicht die Kita-Pflicht kommt weiß man nicht. Heilvoller macht es die Sache nicht.
Es ist gut, diesem Thema Aufmerksamkeit zu widmen.
Da kommt mir wieder das Thema "Schule als Lebensraum" in den Sinn, das in Remscheid allerdings mit Corona untergegangen ist.
Auf der einen Seite sind es die wirklich unterrichtspraktischen Themen, wie ich sie mit den Studierenden in Wuppertal bearbeitet habe, die sich ausweiten lassen hinein in die verschiedenen Materialien, wenn man bei handwerklichen Themen bleibt, aber dann sind es auch die anderen Künste, etwa das Singen.
Dann die Frage: Wie fühlt sich ein Kind, das nachmittags nicht mehr nach Hause darf, weil es ganztagsschulpflichtig ist? Natürlich ist die Frage obsolet, weil die Schulpolitik ja genau das vorschreibt. Allerdings weiß man, wie schnell da gestrickt wird. Da fallen die Maschen einfach runter und niemand bemerkt es. Nach ein paar Jahren wird dann wieder zurückgerudert, vielleicht.
Welche Rolle hat der "OGS-Lehrer"? Ist OGS fortgesetzte Schule? Hat sie nur den Charakter einer Aufbewahrung mit einem Betreuungsauftrag? Gibt es einen Bildungsauftrag und welcher soll es sein?
Gehorcht die Idee nur dem Auftrag "Kinder und Beruf" in eine Deckungsgleichheit unter einen Hut zu bringen? Und dann die alles durcheinanderbringende Frage: "Was wollen die Kinder?" Ist Michel aus Lönneberga nur eine Erscheinung der guten alten Zeit? Sind Eltern heute grundsätzlich erziehungsunfähig? Muss "man" ihnen besser die Kinder wegnehmen? Das sind alles die großen Themen, die man aber betrachten sollte.
Wir haben sie schon heruntergebrochen, indem wir das "Werken mit den Kleinen" propagiert und in dem Lehrplan installiert haben.
“Das Kind - ein Werker” - da haben wir das ganze Tableau. Irgendwo kommen da die Handys ins Spiel, deswegen ist das Thema Digitalisierung überhaupt eins.
Meine steile These: Kinder haben das Spielen verlernt. Deswegen muss es in der Schule stattfinden. Die Lehrer müssen das Spielen lernen oder sich einfach an ihre eigene Kindheit erinnern und an das, was sie gekonnt haben.
Und: Spielen ist kein Zeitvertreib! Spielen schafft Beziehung - spielst du mit mir? Ganz anders die Frage: Hilfst du mir? Das müssen die Erwachsenen lernen. Spielen unterstützt entschieden die Ich-Entwicklung beim kleinen Kind. Später entwickelt sich dann die Teamfähigkeit.
Alle diese Themen sind gut für den Nachmittag.
Ergo: die "OGS-Lehrer" müssen noch besser sein als die Vormittagslehrer. Gut, dass es eine Ausbildung geben wird, allerdings wozu? Sind die Lehrer-Ausbilder kompetent genug? Diese Frage wird man sich ernsthaft stellen müssen. Reichen "alte" Rezepte? Vielleicht ja, aber man muss sie neu denken, denn die Kinder sind "anders", immer. Nicht versuchen modern sein zu wollen und das "Digitale" ins Haus zu holen. genau das nicht. Alles zu seiner Zeit. Das komplexe Werk der Hände in aller Form auskosten und später das schlichte System des Digitalen benutzen. So ungefähr könnte es funktionieren.
Als meine Kinder in dem Alter waren gab es zwei Jahre Erziehungsgeld, die Kindergärten begannen immer erst mit 3 Jahren, das war eine organisatorische Lücke, die auch finanziell irgendwie überbrückt werden musste. Krippen gab es kaum, eher hier und da Tagesmütter. Nun sind meine Kinder ja mit ziemlich genau 2 Jahren Abstand gekommen, da war das kein Problem, und danach war ich sowieso mithelfende Familienangehörige in unserer Schreinerei.
Ich habe das aber sehr genossen einfach zuhause mit den Kindern zu sein, sie irgendwo anders betreuen zu lassen hätte sich völlig falsch angefühlt. Ich mag mir das gar nicht vorstellen, wie man ein Baby von einem halben Jahr oder auch einem Jahr schon den ganzen Tag in eine Fremdbetreuung gibt. Das ist die wertvollste Zeit mit dem Kind, alle die wunderbaren Entwicklungsschritte und zahllosen Lernerfolge. Ich wollte sie nicht missen.
Tagsüber wären sie einfach weg bzw. man bekommt von ihrer Entwicklung nichts mit. Abends und morgens ist die Zeit doch viel zu kurz und die Kinder sind müde, es wird hektisch. Da kann keine gute Gewohnheit aufkommen, das Wochenende ist dann immer etwas besonders, da gibt es dann ausnahmsweise Familie im Übermaß und es fühlt sich nach so was besonderem an, wie “Papawochenenden” bei getrennt lebenden Eltern, da ist alles aber kein normaler Alltag.
Vielleicht schätze ich das auch falsch ein, aber was haben kleine Kinder von Wochenenden? Sie denken nicht in Werktagen und Wochenenden, jeder Tag ist ein normaler Tag, und die meisten kleinen Kinder sind dann eben ohne ihre Eltern woanders.
Es mutet wirklich seltsam an, dass das jetzt das neue “Normal” sein soll, wenn eine Frau das nicht haben möchte und lieber bei ihrem Kind bleibt muss sie sich teilweise schon was anhören, wie rückständig sie sei. Und leisten können muss man es sich auch erst mal.
Mit knapp drei war Lisa schon sehr interessiert an anderen Kindern, am Kindergarten und wenn wir die Kindergartenkinder mal beim Ausflug auf dem Spielplatz getroffen haben, das war dann wirklich richtig, dass sie da hin ist um was anderes zu erleben, Kinder zu treffen und sich in dem Ganzen zu bewegen und zu behaupten.
Aber nur bis Mittags, erst als Thorsten noch im Kindergarten war und ich schon in der Schule gearbeitet habe haben wir ihn auch über den Mittag angemeldet, das ging dann so bis 14 Uhr.
Eine Pflicht über die Schulpflicht hinaus fände ich echt richtig krass, für das letzte Kindergartenjahr wird das sicher irgendwann kommen, wenn die Grundschulen weiter so zu kämpfen haben mit nicht- oder kaum sozialisierten Kindern die die Sprache gar nicht beherrschen..
Manchmal ist es so einfach. Eine Kieferothopädin in Erlangen hat sich das Phänomen, dass man als Mensch an einem Fremdkörper im eigenen Mund, etwa einer Zahnfüllung, mit der Zunge herumspielt zu Nutze gemacht bei der Behandlung von Kindern mit Down-Syndrom.
Ihre These: der Muskeltonus ist generell schwach, also muss er trainiert werden. Früher hatte man Kindern die Zungen operativ verkürzt, weil sie raushingen und der Mund dauernd geöffnet war. Infektionen waren die Folge und letztlich eine verkürzte Lebenserwartung.
Ricarda, meine Tochter, bekam als Säugling eine Gaumenplatte mit angeklebtem rauen Knöpfchen, da hat sie dann solange dran rumgespielt, bis sie sich daran gewöhnt hatte, dann wurde das Knöpfchen versetzt. Irgendwann war es gut und die Zunge so stark, dass sie es schaffte, das Gaumenplättchen aus eigener Kraft vom Gaumen zu lösen und im hohen Bogen in die Gegend zu spucken. Nur die Krankenkasse hat nicht verstanden, dass zu dem Zeitpunkt die Behandlung für das Kind abgeschlossen war.
Phänomenal, wie alles zusammenhängt. Da ist es mehr als verständlich, dass man mit Handwischen keine Gehirnbildung impulsieren kann. Tatsächlich geht es doch wohl auch ganz materiell und physisch um ein Training. Ob es muskulär ist, weiß ich nicht, vermutlich gibt es sowas wie Nervenmuskeln oder Gehirnmuskeln. Keine Ahnung.
KI bei Google hat kurz überlegt und sagt das:
Nein, das Gehirn enthält keine Muskeln. Es ist ein Organ, das hauptsächlich aus Nervenzellen (Neuronen), Stützzellen (Gliazellen) und Blutgefäßen besteht.
Obwohl oft metaphorisch davon gesprochen wird, das Gehirn wie einen Muskel zu „trainieren“, gibt es wesentliche Unterschiede:
Im Kopfbereich gibt es zwar zahlreiche Muskeln (wie die Kau- oder Mimikmuskulatur), diese befinden sich jedoch außerhalb des Gehirns am Schädel. Das Gehirn selbst steuert diese Muskeln über die Hirnnerven, kann sich aber nicht selbst zusammenziehen oder bewegen.
KI hat höchstens 2 Sekunden gebraucht. Lernen tut man im Grunde nur etwas Interessantes oder Sinnvolles. Dazu meint KI:
Ja, das Gehirn kann auch uninteressante Dinge lernen, allerdings ist dieser Prozess oft schwieriger und weniger effizient als das Erlernen interessanter Inhalte [1].
Der Hauptgrund dafür liegt in der Art und Weise, wie Motivation und Emotionen den Lernprozess beeinflussen:
Zusammenfassend lässt sich sagen: Obwohl das Gehirn darauf ausgelegt ist, Dinge zu lernen, die es als nützlich oder interessant erachtet, kann es durch bewusste Anstrengung und die richtigen Lernstrategien auch weniger ansprechende Inhalte aufnehmen.
Steiner hat noch deutlich gemacht, dass das Gehirn nur ein "Spiegelungsapparat" sei. Es könne nichts speichern, im Sinne von Vergessen und Erinnern. Diese Synapsen könnten eine Art Speicher sein, allerdings ein Speicher auf Nervenbasis, der sich quasi selbst zerstört, indem die Nerven absterben.
Mein Stroke hat 2015 eine ordentliche Zerstörung bewirkt. Die zerstörten Teile blieben zerstört, allerdings haben sich neue Synapsen aktivieren lassen, besonders, weil mein Gehirn interessiert und hochgradig intrinsisch motiviert war.
Tatsächlich hat mich an der Stelle die "Kunst" gerettet. Hätte ich sie nicht vorher gehabt, wäre ich wohl nicht auf den Gedanken gekommen, malen zu wollen oder mit Ton plastizierend zu arbeiten.
Genau erinnere ich auch den Mann, der später mit verschränkten Armen in dem Kunstraum stand und darüber fabulierte, was und wie er früher alles gemalt hätte. Er überlege jedoch noch. Tatsächlich reichte das mit dem Überlegen aber nicht. Er kam nicht ins Tun. Das hätte ihm wohl geholfen. Mich hat sein Gerede nur gestört und ich habe ihn weggeschickt, so radikal war mein künstlerischer Impuls. -
Was die kleinen Kinder von sich aus spielen, entspringt dieser starken intrinsischen Motivation, genau das zu wollen.
Wir haben uns entschlossen an dieser Stelle unser “Buch” einfach mal für ein paar Tage als einen “Dialog” weiterzuführen, nicht wie ein herkömmliches Gespräch mit Frage und Antwort, Rede und Gegenrede. Begonnen hatte es als ein spontanes Brainstorming, mit hingestreuten Gedankensplittern. Dann kamen wir dazu, die Workshopvorbereitung und -nachlese zu integrieren. Von jetzt an nehmen wir einen Faden aus unserem täglichen Mailwechsel auf und spinnen ihn in Echtzeit weiter. Im Klartext heißt das: Heike schreibt abends, Thomas schreibt am darauffolgenden Morgen. Falls sich etwas einschleicht, das nicht in den Zusammenhang gehört, lassen wir es weg
Ja, es geht um die Synapsenverbindungen. Die müssen zum einen so vielfältig und fein differenziert wie möglich sein und zum anderen die wichtigen einfach breiter und ausgetretener sein, wie auf einer Datenautobahn. Mit jeder Wiederholung und Übung werden die Verbindungen größer, oder breiter, auf jeden Fall schneller. Das hat Vorteile und Nachteile.
Die Vorteile im Üben von Abläufen liegen auf der Hand, auch das wiederholende Üben stärkt den Willen und schließlich fahren wir ganz automatisch den Weg zur Schule, wenn wir an etwas anderes denken, obwohl wir vielleicht gar nicht dahin wollen. Aber blöderweise werden auch die Synapsenautobahnen dort größer, wo es nur um Reiz/Reaktion oder Wischen oder Dopaminbelohnungen für Klicks und Spielgeräusche geht. Dann wird nach und nach alles damit verbunden, intellektuell und gefühlsmäßig, und schließlich nimmt das die ganze aktuelle Wirklichkeit ein, und es bleibt keine Zeit mehr auch noch andere Sachen zu üben.
Aber wenn man eben Ungewohntes , mit der Hand Dinge tut die diese sonst nicht tun muss, dann passiert dasselbe wie bei bewussten Nebenübungen, wenn wir alles mit der anderen Hand oder rückwärts oder wie auch immer machen. Es erfrischt, die Lebenskräfte werden gestärkt, und jede Menge neuer Synapsen verbinden sich oder werden ein bisschen stärker verbunden.
Und wenn einem dann plötzlich beim Schnitzen die Gesetzmäßigkeit der Holzfaserrichtung auffällt und die sich daraus ergebende Bearbeitungsrichtung, das muss man gar nicht groß besprechen, das merkt man ja selbst beim Tun. Dann gehen einem eventuell noch unerwartet woanders ein paar Lichter auf, im Werkzeugbenutzen und Beobachten generell, in der Erkenntnis über Pflanzenwachstum oder die Zusammensetzung organischer Stoffe, oder es stellt sich ein schönes Gefühl ein bei dem Geräusch, wenn das Messer surrt oder das Holz sogar knirscht, wenn es frisch ist.
Die Hände üben genau das, was ich jetzt beim Lehmputz auch lernen muss, wie es am effektivsten ist, wie der richtige Schwung geht, was ich tun muss, damit ich das selbe Ergebnis mit weniger Aufwand erreiche.
Immer wieder gibt es Kinder, für die es diese Fragen nicht zu geben scheint, sie kommen von sich aus nicht auf die Idee, das Messer mal ein wenig anders zu halten, ob es vielleicht dann besser geht und können die gemachten Beobachtungen einfach nicht umsetzen und sich dadurch die Arbeit erleichtern. Sie brauchen dann doppelt so lange für ein Werkstück wie alle anderen. Aber irgendwann platzt der Knoten, plötzlich und unerwartet, dann geht's. Warum, weiß keiner. Immer toll, wenn das geschieht.
Manchmal passiert es allerdings auch nicht. Gar nicht passiert es bei denen, mit denen man gar nicht erst anfängt zu arbeiten, weil Werken mit den Kleineren ja doch “Kindeswohlgefährdung” sei, so die ernsthaft vorgebrachte Meinung eines Deutschlehrers, oder weil es ja immer nur um intellektuellen Unterricht gehe, wie eine Mathekollegin aus der Oberstufe bemerkte, der ich als Klassenlehrerin versucht habe nahe zu bringen, warum es die Zeugnissprüche gibt. Sie meinte lediglich, dabei ginge ja viel Unterrichtszeit verloren.
Wir bewegen uns in unserer Unterhaltung fortlaufend um den Kern dessen herum, was unsere Aufgabe als Lehrkraft ist: wir sollen das Kind aufmerksam anschauen, betrachten, sein Tun beobachten, wahrnehmen, wie es sich entwickelt, wo Stärken aber auch Schwächen liegen, wo sich vielleicht Hindernisse auftun, die seine Fortentwicklung hemmen. Wenn dies besonders auffällig erscheint, sollten wir sinnvollerweise Kollegen zu Rate ziehen, auch durchaus einen Test veranlassen, bei dem uns allerdings die uns dazu motivierende Frage im Vorfeld deutlich sein muss.
Entwicklung und Erziehung sind ja durchaus zwei Bewegungen in gegensätzliche Richtungen, was zunächst irritierend erscheinen mag. Das haben wir in der Graphik bei "3" dargestellt.
Entwicklung geschieht in der Regel von alleine, es sei denn, eine Entwicklungsstörung liegt vor. Alles Tun ist von klein auf im Grunde intrinsisch motiviert, das Kind handelt aus sich heraus und orientiert sich an Impulsen, Bedingungen, Voraussetzungen, die ihm aus seiner Umgebung entgegen kommen. Es ist seinem Wesen nach neu-gierig und probiert alles, stellt sich den Anforderungen und Bedingungen und versucht ihnen gerecht zu werden. Die erste richtig große Aufgabe ist die Überwindung der Schwerkraft, die Erlangung der inneren Aufrechte.
Die “günstige” Umgebung schaffen zunächst die Eltern, dann die Erziehenden und schließlich die Schule mit ihren Lehrkräften.
Vielleicht sollte man präziser formulieren: sie richten die Umgebung mit Blick auf die Kinder ein. Bedingungen herrschen in der Regel und bestimmen über alles, es herrscht Frieden oder Krieg, Wohlstand oder Armut, Vollbeschäftigung oder Arbeitslosigkeit, Mangel oder Reichtum, es gibt Hungersnöte und Seuchen, Epidemien und Pandemien.
Genau in eine solche Notzeit hinein wurde die erste Waldorfschule begründet. Der erste Weltkrieg war gerade verloren zu Ende gegangen, die Lebensbedingungen waren für alle Menschen desaströs und die Zeiten wurden gleich wieder zunehmend politisch unruhiger.
In diese Zeit hinein formuliert Rudolf Steiner 1923 diese Zeilen für die Lehrer der neu gegründeten Schule in Den Haag:
Es ist dieses Kind aus der geistigen Welt zu dir heruntergestiegen. Du sollst sein Rätsel lösen, von Tag zu Tag, von Stunde zu Stunde.
Eine unfassbar herausfordernde Aufgabe! -
Mittlerweile liegt ein ganzes Lehrerberufsleben "hinter" mir, gemeinsam kennen wir zahllose Schülerbiografien und überblicken sie über einen langen Zeitraum hin. Als Pädagogen haben wir die Erziehungsarbeit geleistet, wohlgemerkt in einer bestimmten Umgebung, unter den herrschenden Bedingungen und immer mit Blick auf das werdende, sich entwickelnde Kind, den heranwachsenden Jugendlichen und dann jungen Erwachsenen, der dann die Schule und unseren Wirkungsbereich verlässt. Den Wert und möglichen Erfolg unseres pädagogischen Handelns können wir vielleicht rückschauend ermessen. Bestimmt werden wir aber sagen, wir hätten unser Bestes dazu getan.
Unsere Frage wird hoffentlich immer gewesen sein: Was braucht das Kind, die Klasse, die Gruppe? Wirklich? Waren wir da ehrlich mit uns selbst? Wie stand es mit unserer "Work-Life-Balance"? Haben wir die seinerzeit überhaupt beachtet, wahrgenommen und unser Verhalten entsprechend eingerichtet?
In unserer Umgebung beobachten wir Lehrerverhalten, nehmen wir es aber auch wahr oder beurteilen wir es nur? Grenzen wir uns ab oder gelingt es uns ein "Wir-Gefühl" zu entwickeln? Wohlgemerkt sind das alles Fragen, die wir uns selbst stellen, die Teil unseres Selbsterziehungsprozesses sind.
Was allerdings befremdlich aufstößt sind staatlich vorgebrachte Forderungen, wir müssten “besser”, generell. Um das zu untermauern sollen zusätzliche Leistungstests bei Schülern Aufschluss darüber geben, wo wir als pädagogisch Handelnde "besser" werden müssen. Dass im gleichen Atemzug kopflos erstellte und aufwändig propagierte Reformen “einfach” wieder zurückgefahren werden findet wenig Beachtung.
Die Sache mit der aufrechten Gestalt und den Händen finde ich schon lange spannend, einfach weil es ein Stück Menschheitsentwicklung ist, und dann machen die kleinen Kinder natürlich dieselben Entwicklungsschritte durch, wie die Menschheit innerhalb von Millionen Jahren, nur eben schneller, weil die Generationen davor schon ein wenig vorgearbeitet haben.
Man weiß ja immer nicht, welches Detail genau den Menschen nun zum Menschen macht, die einen sagen, es seien Außerirdische auf die Erde gekommen, die anderen sehen einfach einen Eingriff der Götter, die Menschen doch mal vernünftig werden zu lassen. Nun, das sind sie noch nicht immer, by the way.
Aber was genau passiert ist, dass die Vormenschen irgendwann nicht mehr nur Herden von Jägern und Sammlern geblieben sind, sondern Werkzeug benutzt, gesprochen und eine Vorstellung von Zukunft und Sinn gehabt haben, ist und bleibt eine spannende Frage. Mein eigenes “Urzeitbuch” ist 1978 erschienen und wohl nicht mehr auf dem neusten Stand. Denn Werkzeugbenutzung, planvolles Handeln, Kommunikation sind alles Dinge die mittlerweile auch an Tieren beobachtet werden, wie beim afrikanischen Webervogel: flechtkunst-mit-schnabel-und-zwei-beinen.
Ob der Hund ein Konzept von Zeit und Zukunft hat kann er uns nicht sagen. Ohne jetzt andere Tierarten anzuschauen, lässt sich aber an der Entwicklung von Mensch/Affe ganz gut sehen, dass sich die Gliedmaßen verkürzt, die Fresswerkzeuge zurückgebildet und der Schädel größer geworden ist. Menschenbabys und Gorillababys sehen ziemlich gleich aus, deswegen kann man auch gut argumentieren dass der Affe vom Menschen abstammt. Und der Mensch hat dann angefangen auf zwei Beinen zu laufen, da war es auch gut, dass die Babys sich nicht mehr im Fell festklammern mussten, denn auch das ging zurück.
Die Hände hatte er ja jetzt frei um das Kind zu tragen oder allerlei Dinge zu tun. Wenn man dann ein Kind auf dem Arm hat fällt einem auf dass man schon wieder nur eine Hand frei hat, also knüpft man sich ein Tragetuch, dann kann man wieder vernünftig arbeiten ohne dass der Nachwuchs von der Hyäne fortgeschleppt wird.
Dass die Hände jedenfalls ganz wesentlich sind in der Eroberung der Welt, also nicht die militärische Eroberung, das kann man ja als gesetzt annehmen. Der Kopf ist oben, guckt frei in die Welt, und die Hände können etwas sinnvolles tun. Dann kommt ja noch hinzu, dass der Mensch so unspezialisiert und hilflos ist, kein Fell, jahrelang auf Versorgung angewiesen, er besetzt keine ökologische Nische. Das ist Fluch und Segen zugleich, er muss echt ackern und erfinderisch werden, um je nach Umgebung die ganzen körperlichen Nachteile auszugleichen, Messer und Jagdwerkzeuge erfinden, Häuser bauen und all das. Dafür kann er in der Wüste und im Eis leben und demnächst vielleicht auch auf dem Mars, wenn Musk so weiter macht.
Aber die Hände sind ziemlich unbrauchbar ohne Werkzeug darin, und alleine weder zum Graben noch zum Beute zerreißen noch zum Holz fällen zu gebrauchen. Aber das verschafft uns einfach eine riesengroße Freiheit zur Entfaltung, und im Grunde haben wir sie ganz ordentlich genutzt.
Jedes kleine Kind hat diese Entfaltungsmöglichkeit auch, wenn es auf die Welt kommt. Es kann jede Sprache auf der Welt akzentfrei sprechen und verstehen lernen und sich überall akklimatisieren, mal abgesehen von den Pigmentunterschieden, die es hier oder da leichter oder schwerer machen. Nachahmend eignet es sich alles an, was die Menschen in seiner Umgebung tun und arbeiten, lernt alleine dadurch schon Werkzeuge zu benutzen und Probleme zu lösen.
Wenn es Glück hat, kann es dann schon mit 4 Jahren im Dorf Milch holen gehen oder mit 6 eine Baumscheibe spalten. Wenn die Menschen in seiner Umgebung überwiegend in Bildschirme schauen lernt es, dass offensichtlich darin das Glück und der Segen der Welt liegen.
Aber auch wenn es Programmierer oder E-Sportler werden sollte, braucht es ein Bild von der “richtigen” Welt, und das muss es sich erarbeiten und ergreifen und begreifen, unser Vokabular zeigt da schon genau, auf welche Körperteile es ankommt. Und schon sind wir wieder beim Thema.
Und wenn man das dann ausgiebig gemacht hat, das Arbeiten, dann hat man Muskelkater und Lehm zischen den Zehen.
Lehm ist übrigens auch eine sehr steinzeitliche Angelegenheit, das erste Baumaterial sozusagen. Wusstest du dass man Lehm hören kann? Er knistert wenn man Wasser draufkippt, weil die ganzen Lehmmoleküle dann anfangen zu tanzen.
Was für ein Brückenschlag! Mit dem Begriff “Brückenpfeiler” und “Aufrechte” kam eine Gedankenkette in Gang. Da gab es doch irgendeinen Bekannten Goethes, dann kam die vortragende Stimme Peter Guttenhöfers im Kasseler Kurs ins Gedächtnis, dann stellte sich die Erinnerung ein: es war Herder und seine "Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit". Letztlich war da die Unbrauchbarkeit der Hände und die sich ergebende Notwendigkeit Werkzeuge zu erfinden, um tatsächlich eigene Ideen in die Tat umsetzen zu können.
Tatsächlich sind die Hände wirklich unbrauchbar im Vergleich zu den spezialisierten Pfoten eines Tieres, die sie benutzen, um sich eine Höhle zu buddeln, in die sie selbst hineinpassen: Maus, Ratte, Kaninchen, Fuchs, Dachs. Ergänzt werden die Krallen, diese "Werkzeuge" durch den Kiefer und die Zähne. Die Pfoten werden dann zur Einspannvorrichtung.
Wir haben das Handschnitzmesser, die Werkbank und als unsere jüngste Erfindung, den "Löffelböck", den die Engländer "spoon mule" nennen, eine Art Zange, die wir mit unseren Füßen und Beinen betätigen, während unsere Hände ein Werkzeug führen und ein Holz bearbeiten, sehr viel schneller, als es uns mit der Einspannung in die Hobelbank möglich wäre.
Tiere sind im Grunde immer auf der Hut, um schnell fliehen zu können. Von daher muss es einfach schnell gehen, wenn das Eichhörnchen die Nuss mit seinen Pfötchen, allen vieren, packt und diese dann aufbeißt. Der Specht muss sich ein Widerlager suchen, eine kleine Vertiefung, eine Astgabel, wo er die Nuss hineinlegen kann, um sie mit seinem scharfen Schnabel aufzupicken, so weit, dass er die köstliche Frucht mit seiner klebrigen Zunge herausholen kann.
So kann ein Tier, ausgestattet mit seinen spezialisierten Fähigkeiten in einem bestimmten Lebensraum überleben, allerdings ist es auch immer selbst Teil einer Nahrungskette. Verletzt es sich oder wird es krank, fällt es dem nächst höherstehenden "Räuber" zum Opfer. Würde ein Tier sich selbst verstümmeln oder handlungsunfähig machen oder gar Selbstmord begehen? Vermutlich nicht.
Das kleine Kind hat, was seine Gliedmaßen angeht zunächst keinen wirklichen "Plan". Der Kopf allerdings will aufrecht stehen und damit der ganze Mensch, das ist das Ziel, in der Rückenlage über Rutschen und Ruckeln sucht das Kind eine Grenze, die Berührung einer einhüllenden Decke, eines umarmenden Menschen oder einer Wand in seinem Bettchen etwa, wenn es wach und alleine ist. Das machen kleine Tiere genauso. Sie werden in ein Nest hinein geboren und wärmen sich da gegenseitig, Im übrigen werden sie gesäugt und die Mutter liegt die ganze Zeit parat, das Babytier muss sich allerdings gegen die Geschwister durchsetzen, um genug Milch abzubekommen, auch da ist die Zeit begrenzt. Dazu gebraucht es sofort alle 4 Pfoten.
Beim Menschenbaby dauert dieser Prozess um einiges länger. Es hat sein erstes Entwicklungsziel erreicht, wenn es aufrecht steht, ohne umzufallen und die ersten Schritte gehen kann, ohne sich festhalten zu müssen. In dieser Phase sind Spielzeuge wichtig, die dem Kind ein "Gefühl" von Halt vermitteln, ein Schiebespielzeug, dem es hinterherlaufen kann, das ihm den Weg weist und später ein Ziehspielzeug, dem es als Anführer vorweglaufen kann. Aus dem ersten wird bald eine Schubkarre, aus dem zweiten bald ein Handwagen, denn es braucht Dinge, auf jeden Fall Nützliches, Werkzeuge, Material das transportiert werden muss.
Allem, was das Kind in die Hand nimmt, gibt es einen Sinn, wobei die imaginierte reale Funktionalität durch Phantasie ersetzt wird. In der Phantasie gibt es bekanntlich keine Grenzen.
Je autonomer das Kind wird, je zielgerichteter es spielt, umso realfunktionaler müssen die "Spielzeuge" werden, das Spielzeug muss zu einem Werkzeug werden, mit dem man echt etwas machen kann, etwas schaffen, etwas bauen, konstruieren, das, entspringt es einer phantasievollen Vorstellung möglichweise funktionieren könnte.
Allerdings verfügt das Kind aber auch schon über einige Erfahrung und es erkennt, dass ein Vorhaben vielleicht doch zu groß ist und es verliert das Interesse daran und wendet sich etwas anderem zu. Tatsächlich verfügen alle mechanischen, elektrischen oder elektronischen Geräte und Medien über einen gewissen Reiz und schlagen ein Kind in seinen Bann. Ich bekam als Kind von einem meiner Onkel eine elektrische Eisenbahn geschenkt, später eine Dampfmaschine und dann ein Tonbandgerät, ausrangierte alte Teile, mit denen ich erst nach und nach etwas anzufangen wusste. Vorher lagen sie unbespielt in der Ecke.
Tatsächlich bekommen Kinder Spielzeuge geschenkt oder erben sie von ihren Geschwistern. Tatsächlich erwachen diese auch erst zum Leben, wenn ein Kind sie bespielt oder wenn ein Erwachsener zusammen mit dem Kind spielt; bei der Eisenbahn erwacht dann das Kind im Manne, ebenso bei der Dampfmaschine. Auf dieser Ebene wird es auch schon ratsam, eine technische Einweisung oder Anleitung zu geben.
Auf jeden Fall ist das eigene Interesse des Kindes, das diesem Angebot entgegengebracht wird der Anreiz zum Spiel. Das Tonbandgerät war schon etwas besonderes, schon sehr alt aber funktionsfähig. Es gab ein Tonband dazu, das etwa insgesamt drei Stunden Musik lieferte mit Vorder- und Rückseite, dann gings wieder von vorn los, früher Rock&Roll und Twist. Da das die einzige Beschallung war, die ich hatte, kannte ich die Stücke mit der Zeit in und auswendig, konnte alle Lieder lautmahlerisch mitsingen und verstand kein Wort, aber das verlangte auch niemand.
Nichts an dem Apparat ging von alleine, geschweige denn automatisch, alles musste von Hand bedient werden. Aber das hatte ich schnell raus. Es gab auch keine Endabschaltung, kurzum alles in allem ein durchaus technisches Gerät, vollkommen analog und elektromechanisch. Das Wort "digital" war tatsächlich unbekannt. Auch Digitaluhren gab noch nicht. Immer dieselbe Musik zu hören war irgendwann langweilig und das Interesse erlahmte.
Tatsächlich war ich aber bei allen drei Geräten handgeschicklich herausgefordert, wenn ich etwas von ihnen wollte.
Wenn heutzutage Kinder ein Handy als Spielzeug in die Hand bekommen, dann macht das etwas mit dem Kind, fesselt seine Aufmerksamkeit und lässt es nicht mehr los, denn alle Sinne sind gebannt, am stärksten der Sehsinn. Die Hände haben die Aufgabe das Gerät zu halten und zu wischen und zu tippen, um es in Betrieb zu nehmen. Beide Hände haben ihre Freiheit etwas zu tun oder zu erschaffen eingebüßt. Und: der Akku hält länger als das Kind wach bleiben kann. Das heißt, die mediale Berieselung geht auch im Schlaf weiter, wenn niemand eingreift.
Ja, das kenne ich auch, dass es den starken Drang gibt Kindern Spielzeug zu schenken, für das sie eigentlich noch zu klein sind. Meistens ist es ja so, dass man sich schon lange gewünscht hat, mit seinem Kind eben dann die Eisenbahn aufzubauen oder das Konstruktionsspielzeug zusammenzubauen.
Grundsätzlich ist das ja nicht schlimm, solange man die Kinder nicht zwingt, damit spielen zu müssen oder für dumm hält, weil sie (noch) nichts damit anzufangen wissen. Sie lassen sie die Sachen eben einfach liegen bis sie ein Interesse entwickeln. Und bis dahin haben Mama oder Onkel ja einfach auch Spaß damit und dieses gemeinsame Tun und Erleben hat auch wieder einen eigenen Wert.
Manchmal mag es sinnvoll sein, die Kinder anzusprechen, als seien sie schon älter, auf einem etwas höheren Sprachniveau. Denn nur so lernen sie ebendiese und mit ihr die dahinterliegenden Denkprozesse.
Das mit den Werkzeugen bei den Tieren ist auch so eine Sache. Es hieß ja lange Zeit, dass das Werkzeugbenutzen eine rein menschliche Eigenschaft sei, Tiere zu dumm und planlos dafür seien. Die Forschung ist da mittlerweile weiter.
Nicht nur dass Tiere sehr geschickte Baumeister sind, von den diversen Insekten angefangen über diese kleinen afrikanischen Vögel, die aus langen Schilfhalmen richtig kunstvolle Nestkugeln weben. Da nahmen die ersten Forscher ja auch an. dass die von Kindern geflochten worden wären.
Aber planvolles Vorgehen und Werkzeugbenutzung sind schon gut beobachtet und dokumentiert: Krähen die die Nüsse auf die Straße werfen, bis ein Auto drüber gefahren ist, Affen die Stöckchen in den Termitenbau stecken, an denen dann Larven hängen bleiben, oder die Steine benutzen um etwas zu knacken, oder ähnliche Beispiele.
Das macht also nicht den Unterschied zum Menschen aus. Das Bewusstsein von sich selbst kann es auch nicht sein, denn tausende von Tiervideos im Netz zeigen Hunde, die sich selbst im Spiegel entdecken und dann offensichtlich wissen, dass sie das sind, weil sie nicht den anderen Hund suchen sondern an sich selbst die Veränderung entdecken, die sie im Spiegel wahrgenommen haben, also sich dann etwa eine Haarklammer abstreifen. Auch Gefühle, machen nicht den Unterschied aus. Wer mal unter einer beleidigten Katze gelitten hat weiß das.
Aber diese herrliche Unvollkommenheit des Menschen, Hände die fast nichts können außer Gegenstände greifen und benutzen, führt ja doch irgendwie aus dem Tierreich hinaus.
Sobald das kleine Kind einmal entdeckt hat, dass es nicht nur Dinge anfassen kann um sie in den Mund zu stecken oder sich dran hochzuziehen, dann setzt die Phantasie ein. Türme bauen, Sachen verschieben, verändern, bewegen, dazu gibt es Bilder und Geschichten.
Ich glaube Rollenspiele habe ich bei Tier noch nicht gesehen, Ballspiele schon, Fangen, Verstecken, Bewegung. Aber eben nichts, das mit einer Vorstellung zusammenhängt. Vielleicht ist das der Knackpunkt.
Letztlich helfen auch die Hände mit den Kopf aufzuwecken. Und damit sind sie dann einige Jahre beschäftigt.
Man möchte jetzt gerne noch bei Rudolf Steiner suchen, was eigentlich diese Beschäftigung mit dem Handy bewirke. Registriert ist das, was Krautz so "nett" beschreibt, dass man mit dem Wischen über Bildschirm kein Holz glatt bekäme. Die Absurdität leuchtet dem erwachsenen Betrachter unmittelbar ein, tatsächlich ist dieser Gedanke im Grunde aber unfassbar.
Versucht man ihn mit den Gedanken eines Kindes zu denken, dem noch der unbändige Willen zur Verfügung steht, mit dem sich alles erreichen lässt, dann bekommt man es wahrscheinlich ziemlich schnell mit der Angst zu tun. Denn was passiert, wenn man mit dem Finger über das das auf Bildschirm abgebildete rohe Holz streicht und das digitale System nicht erkennt, dass das Holz geglättet werden soll? Das Kind wischt und wischt und es geschieht nichts, gar nichts. Erlösung aus diesem Teufelskreis käme erst, wenn man das Handy mit voller Wucht an die Wand wirft, dass es in 1000 Stücke zerspringt.
Ein Erwachsener, der zuschaut, könnte dem Kind aus der Bredouille helfen, indem er etwa die Werkzeugleiste öffnet und dem Kind erklärt, was die einzelnen “Werkzeuge” bewirken können. Dann ließe er es wieder alleine mit dem Bildschirm. Irgendwann hätte das Kind alle Werkzeuge ausprobiert und das rohe Brett in Späne, Mehl und Staub verwandelt, diese vielleicht noch irgendwie sortiert, gezählt und bewertet bekommen. Dann wäre das Spiel vorbei, gesetzt den Fall, es handelte sich um ein Spiel, dann käme das oder der nächste Level und alles begänne von Neuem.
Dass dieses Spiel nie enden wird, weiß das Kind nicht, es hört nicht auf zu probieren und zu versuchen, ohne eigentlich irgendeine Ahnung davon zu haben, was es da tut. Es hat nämlich keine Begriffe, weder von einem rauen Holz, noch von den vielen Werkzeugen, die beim Auswählen und Antippen irgendetwas tun. Angesichts der sehr hohen Akkulaufzeit eines Handy erlahmt irgendwann der Willen und hört auf zu wollen und etwas zu tun. Das Kind schläft ein, es dämmert weg, verliert sein Bewusstsein. Was hat es jetzt gelernt? Nichts. Wo ist das vielleicht doch Gelernte hin? Keine Ahnung.
Vielleicht schläft es doch echt ein, so dass sich in bekannter Weise seine Wesensglieder trennen und tritt dann vor seinen Engel, der natürlich fragt, was es mitgebracht habe. Nichts. Da ist der Engel machtlos, denn was er erblickt hat weder etwas Geistiges, noch etwas Seelisches, noch nicht mal irgendeine materielle Substanz. Einfach nichts. Noch nicht einmal ein Loch, gar nichts. -
Irgendwann wacht das Kind wieder auf, sein Wille ist noch da, der Akku ist noch nicht leer, vielleicht wurde er auch über Nacht aufgeladen. Ist das Kind erfrischt, hat es vielleicht eine neue Idee, nein, nichts, weder das Eine, noch das andere. - Aber sein Wille ist scheinbar ungebrochen.
Es sucht den Moment, wo am Abend zuvor der Kontakt abgerissen ist, tippt auf "Start" und macht weiter, einfach so, ohne Ziel, einfach, weil es will. Tag für Tag das Gleiche. Nacht für Nacht dasselbe.
Ohne jetzt perspektivische schwarzmalen zu wollen lässt sich vorhersagen: aus der anfänglichen Suche wird zunehmend eine Sucht. Im Anfang war da ein raues Stück Holz. Das sollte geglättet werden. Dass dieses Stück Holz real nicht existierte kann das Kind nicht verstehen. Da existiert nur das Bild auf dem Bildschirm, das eine Wirklichkeit vorgaukelt.
Die einzige Tätigkeit, die das digital geschulte Kind kennt ist die des Wischens und Tippens. Die “Arbeit” erledigen dann die “Werkzeuge”, allerdings ohne Sinn und Verstand. In Wirklichkeit geht es um nichts und es gibt kein wirkliches Ziel, es stellt sich kein Lernzuwachs ein, tatsächlich entwickelt sich im Kinde nichts, weder Fähigkeit noch Fertigkeit. Noch nicht einmal die "nette" kluge Erkenntnis, dass man ein raues Holz durch einfaches Wischen über den Bildschirm nicht glattbekommt.
Auf der Basis dessen, wie das Kind bis zu dem Moment angenommen gelernt hat, waren ihm alle natürlichen elementaren Zugänge verschlossen, keine komplexen Sinneseindrücke, nichts, allenfalls ein kristallklarer, hochaufgelöster Bildschirm mit Bewegungen, die durch Fingertippen initialisiert wurden, dazu vielleicht ein digitaler polyphoner hintergründiger Sound, wenn der Ton eigeschaltet ist, der dann ein Schleifgeräusch, ein Hobelzischen, ein Schabkratzen, das Kreischen einer Fräse perfekt imitiert.
Im Grunde ist es unfassbar, sich solch eine Szenerie ernsthaft vorzustellen. Und doch bringen so viele Kinder so unglaublich viel Zeit mit einem solchen Unsinn zu.
Das Handy und der digital angeschlossene App-Store bietet eine unüberschaubare Anzahl von “Spiel”möglichkeiten, die einzig suggerieren, dass das Kind etwas “tut”. Tatsächlich tut es nichts. Nein, das stimmt nicht: seine Finger tippen oder wischen und seine Augen starren, an die Ohren dringen Sounds.
Es ist schon etwas komplizierter sich vorzustellen oder zu erforschen, was sich tatsächlich in der Seele eines Kindes abspielt, wenn es diesem “digitalen Einfluss” ausgesetzt ist. Und doch lässt sich mühelos ausmalen, wie sich eine solche Biografie fortsetzt.
Die Millenium Trilogie von Stieg Larsson und die Geschichte des Mädchens Lisbeth Salander, ihr Autismus, ihre Hochbegabung, ihre Einsamkeit in der digitalen Welt ergeben eine überaus spannende Story, die einen als Leser genauso wenig loslässt wie die das Handy ein kleines Kind, wenn es dieses in die Hand bekommt.
Lebenszeit ist endlich, das wissen wir, allerdings ist uns diese Tatsache nicht unbedingt immer bewusst. Ein Kind verfolgt eigentlich nur ein Ziel: wenn ich einmal groß bin. Es hat keine Angst vor dem Tod, dem Älterwerden oder dem Ende, im Gegenteil: es kann nicht schnell genug gehen! Alles, auf das man warten muss dauert unendlich lange: der nächste Geburtstag, Weihnachten, dann der Moment, an dem dem es endlich die Geschenke auspacken darf und hoffentlich etwas bekommt, das es sich gewünscht hat, mit dem es spielen kann.
Dann muss es irgendwann ins Bett. Nein, es will jetzt nicht schlafen, es will spielen, mit der Eisenbahn, der Puppe, dem neuen Lego, das neue spannende Buch. Am Morgen, so früh es geht, springt es aus dem Bett, schleicht herunter ins Weihnachtszimmer und macht sich ans Werk, endlich kann es weiter machen oder neu beginnen, ausprobieren, weiterlesen, auf jeden Fall etwas tun, das es will, am liebsten mit seinen Händen.
Wie tröstlich ist doch dieses Bild und jeder kennt es von sich aus den eigenen Kindertagen.
Allerdings gehört zu den begehrtesten Wünschen eines Kindes auch selbst ein Handy zu besitzen. Damit nimmt das Schicksal dann seinen Lauf.
Mit einem Schlag ist alles andere fade und langweilig und plötzlich ist das Kind groß und alt.
Alles, was es tun könnte und von sich aus auch tun würde hat seinen Reiz verloren. Die eigene Motivation, der Ansporn, etwas wollen und dies auch zu tun , er ist dahin.
Die Kindheit ist nicht langsam dem Älterwerden gewichen, sie ist einfach verschwunden, abgebrochen, schlimmer noch, in dem wir dem Kind das Handy in die Hand geben, rauben wir ihm die Kindheit, ohne irgendeine Chance, dass wir diesen Prozess rückgängig machen könnten. Allenfalls wird das Kind es vielleicht mal selbst können, aber diese Hoffnung ist trügerisch und wir wissen als Erwachsene selbst, dass wir diesen Fluch nicht mehr einfangen können.
Das Bild des Fährmanns kommt mir an der Stelle in den Sinn, der den Stab in die Hand gedrückt bekommt und fortan seinen Dienst tun muss, solange, bis er ihn wieder abgeben kann. Allerdings ist dieser Zeitpunkt bekanntlicherweise überaus ungewiss.
Die Kindheit ist jedenfalls mit einem Mal futsch und damit alles, was das kleine Kind hätte lernen können. Damit hat das alte Sprichwort, mit dem man Kinder versuchte zu ermahnen fleißig zu sein neue Relevanz, allerdings trägt das keine Kind daran keine Schuld:
Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.
Allerdings ist das, was wir heute gegenwärtigen nicht neu, wir könnten es wissen, wenn wir dies wollten.
Das Verschwinden der Kindheit prangerte der amerikanische Medien-Ökologe Neil Postman schon in den 1980er Jahren an. In seinem gleichnamigen Buch befasste er sich "mit den Auswirkungen der elektronischen Medien, insbesondere des Fernsehens, auf die Kindheit, die er im Schwinden begriffen sah. Die Kindheit sei dabei ein Phänomen, das erst mit dem Ende des Mittelalters aufgetreten sei, denn zuvor hätten Erwachsenenwelt und Welt des Kindes noch eng beieinander gelegen; Erwachsene und Kinder hätten sich nicht wesentlich voneinander unterschieden.[5] Mit der Erfindung des Buchdrucks habe sich dieses Verhältnis der Generationen zueinander verändert.[6] Die Erwachsenen hätten nunmehr einen exklusiven Zugang zu einer Welt des Wissens, die dem Kind verborgen bleibe, solange es die Technik des Lesens noch nicht beherrsche. Es entstehe so ein Raum – die Kindheit – ohne Zugang zu den Geheimnissen des Lebens der Erwachsenen. Allerdings löse das Fernsehen diese Grenze wieder auf,[7] indem es das Wissen der Erwachsenen wieder allen zugänglich mache. In den Unterhaltungsshows bleibe kein Thema ausgespart; Inzest, Homosexualität und andere Themen würden für alle – auch für Kinder – aufbereitet und für den Konsum oder zu Unterhaltungszwecken zur Verfügung gestellt.
Um seine These zu belegen, zog Postman zahlreiche Indizien heran. Er ging auf die Kriminalstatistiken ein und stellte fest, dass die Zahl der von Kindern verübten schweren Delikte zwischen 1950 und 1979 um 11.000 Prozent wuchs.[8] Als einen Beleg für seine These erkannte er auch die frühere geschlechtliche Reife von Mädchen. Um 1900 trat die erste Menstruation durchschnittlich um das 14. Lebensjahr auf, während das Durchschnittsalter 1979 bei 12 Jahren lag. Hier spricht Postman von einem physiologischen Hinweis auf die Abschaffung der Kindheit.[9]
Rainer Patzlaff betitelte sein Buch über die physiologischen Wirkungen des Fernsehens und die Entwicklung des Kindes eindringlich: Der gefrorene Blick. Er beschreibt u.a. eine Erstarrung des Kindes, bis hin zur Bewegungslosigkeit und die Auswirkungen, die sich von da ausgehend seines gesamten Wesens bemächtigen, in erster Linie physiologisch, natürlich aber auch seine gesamte seelisch-psychische Situation betreffend. Gut 30 Jahre sind seitdem vergangen und es mutet nahezu harmlos an, was damals den Grad der “Schädigung” anging.
Kinder stärken in Zeiten der Digitalisierung Die Professoren der Freien Hochschule Stuttgart Thomas Damberger und Edwin Hübner veröffentlichen 2024 den gleichnamigen Sammelband, der aktuelle Herausforderungen benennt und Ansätze zeigt für eine Verlebendigung des Pädagogischen in post-pandemischen Zeiten.
Drei Titel, zwischen deren Erscheinung jeweils eine größere Zeitspanne liegt. Der digitale Raum mittlerweile ist zu einer scheinbaren Lebenswirklichkeit geworden. Wir empfehlen ausdrücklich die Lektüre.
Unser Anliegen ist es, auf die unaufschiebbare Dringlichkeit hinzuweisen, in welcher Notlage sich Kinder und Kindheit heute befinden:
Das Handy mit seinem digitalen Kontext raubt den Kindern mit einem Schlag ihren kindlichen Lebens-, Entwicklungs- und Erfahrungsraum und zwar, wenn wir es ihm in die Hand geben.
Es hält sie davon ab, sich in der natürlichen Umgebung zu bewegen und zu spielen.
Es schränkt ihre Gehirnentwicklung ein und macht sie umfassend krank.
All das passiert schon, ehe die Kinder das Schulalter erreicht haben.
Unser Bildungsansatz “Werken mit den Kleinen?!” folgt der unbedingten Hoffnung, dass Kinder in den ersten Schuljahren die Chance bekommen sollen nach zu reifen und selbst durch sinnvolle Handtätigkeiten eine gesunde und echte Basis legen können, auf der sie später der digitalen Welt entgegentreten können.
"In der Waldorfpädagogik beginnt die Medienpädagogik bereits in der ersten Klasse, und zwar in kindgerechter Weise mit den ältesten Medien der Menschheit: mit der Pflege der Sprache und zweier Fremdsprachen, mit dem Schreiben, dem Lesen und dem Rechnen. Diese Kulturtechniken sind auch für die digitale Welt unentbehrlich, lassen sich aber durch den vorläufigen Verzicht auf digitale Medien viel besser im Körper verankern. Wenn z.B. die Kinder Buchstaben nicht durch einen Knopfdruck erzeugen, sondern sie mit der eigenen Handbewegung hervorbringen, haben sie mehr gelernt als das Schreiben: Die feinmotorischen Tätigkeiten, die dazu geübt werden wirken sich nach Auskunft der Hirnforschung positiv auf das später Denkvermögen aus und sind somit ein Beitrag auch zur Medienkompetenz. Ähnlich körperbezogen verfährt die Waldorfpädagogik mit dem Rechenlernen.
Das alles bildet die Vorbereitung auf die beginnende Pubertät, in der sich der jungen Mensch von der konkreten Körpererfahrung zu abstrakten Gedankenerfahrung erhebt, logisches Denken entwickelt und die Fähigkeit zu eigenem Urteilvermögen erarbeitet.. Das ist dann der Zeitpunkt, an dem dem eine gediegene Durchdringung der Computertechnik und eine sachlich begründete Auseinandersetzung mit den neuen Medien einsetzen sollte, die schrittweise zu einer Medienmündigkeit führt, die sich bis in die Fragen der Moralität hinein den Herausforderungen der Technik gewachsen zeigt." [Rainer Patzlaff 2021, S.321]
Wir haben, wie eingangs erwähnt auf den “Feinschliff” unseres Textes verzichtet. In den Titel hat sich sich die “Medienkompetenz” eingeschlichen, die wir zunächst so gar nicht mit im Blick hatten. Uns ging es vor allem darum, dem “Werken mit den Kleinen?!” eine angemessene Aufmerksamkeit im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung zu verschaffen. Gerade bei den Kleinen können wir aus unserer Handfertigkeitskompetenz heraus etwas beitragen, um dieser Missentwicklung etwas entgegenzustellen.
Das wollen wir tun.
https://deutsches-schulportal.de/schulkultur/studie-was-kinder-ueber-das-lernen-im-ganztag-sagen/?
https://deutsches-schulportal.de/expertenstimmen/was-schulen-fehlt-ist-der-mut-zum-weglassen/?
https://www.erziehungskunst.de/artikel/waldorf-diskutiert-schule-in-zeiten-von-ki-und-chatgpt
Uwe Buermann, AUFRECHT DURCH DIE MEDIEN; Flensburg 2007
Thomas Damberger, Edwin Hübner (Hrsg.), KINDER STÄRKEN IN ZEITEN DER DIGITALISIERUNG, Opladen 2024
Helmut Eller, DER KLASSENLEHRER AN DER WALDORFSCHULE, Stuttgart 2007
Johann Gottfried Herder, IDEE ZUR PHILOSOPHIE DER GESCHICHTE DER MENSCHHEIT, Berlin 2017
Edwin Hübner, MEDIEN UND PÄDAGOGIK, Stuttgart 2015
Ellen Key, DAS JAHRHUNDERT DES KINDES, Berlin 2016
Rainer Patzlaff, DER GERFORENE BLICK, Stuttgart 2001
Rainer Patzlaff, DIE SPHINX DES DIGITALEN ZEITALTERS, Stuttgart 2021
Neil Postman, DAS VERSCHWINDEN DER KINDHEIT, Frankfurt 1987