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Initiatoren sind:
Heike Birk (FWS Kastellaun) - Stefan Baum (Blotevogel Schule, Witten) - Thomas Verbeck (Remscheid).
Bei der Werklehrertagung 2026 in Lübeck wurde das Anliegen formuliert, dass “Werken in der Unterstufe” einer größeren Gruppe von Kolleginnen und Kollegen näher gebracht werden sollte. Darüber hinaus wurde der Wunsch laut, dass Themen, die in Gesprächsgruppen bewegt wurden nicht bis zum nächsten Jahr ruhen sollten, wenn sie dann im neuen “Werkstattbrief” veröffentlicht erscheinen würden.
Ein Jahr ist ein Zeitraum, innerhalb dessen sich ein Projekt wirklich inkarnieren oder aber auch einfach verpuffen kann.
Die Initiatoren haben sich deshalb entschlossen einen “Initiativkreis” zu bilden, der von sich aus bei der jährlichen Tagung in einer Gesprächsgruppe interessierter Werklehrkräfte das Thema lebendig im Gespräch hält.
Mitglieder der interessierten Gruppe werden per mail informiert. Sollte sich ein Gesprächs- oder Diskussionsbedarf ergeben, kann hierzu zu einer ZOOM-Konferenz eingeladen werden.
An dieser Stelle soll auch die weitere Entwicklung inhaltlich dokumentiert werden.
Gleichzeitig können sich hier alle interessierten Kolleginnen und Kollegen jederzeit informieren.
Bei der Werklehrertagung 2021 in Karlsruhe, bei der es inhaltlich um die unteren Klassen ging, bildete sich eine Arbeitsgruppe zum Thema „Werken in der ersten Klasse?“. Ihr Ergebnisprotokoll ist veröffentlicht in /Literatur/Eigene_Publikationen/Stockmeyer, S. 69 Ausdrücklicher Wunsch aller war: “Wir wollen in den Richter-Lehrplan!”
Hier der 2021verfasste und 2022 in Everswinkel abgestimmte Text.
Werken in der Unterstufe der Waldorfschulen
Die Frage, warum in der Unterstufe der Waldorfschulen üblicherweise gar kein regulärer Werkunterricht stattfindet, ist menschenkundlich wohl nicht zu begründen, zumal doch Handarbeit ab der ersten Klasse absolut selbstverständlich erteilt wird. Lag es an einem Mangel an Werklehrern vor etwas mehr als 100 Jahren, oder an einer Lebensrealität, in der körperliche Arbeit und Aktivitäten selbstverständlich waren? Die Notwendigkeit eines zusätzlichen handwerklichen Tuns war wohl nicht so offensichtlich wie heute. Bei all den Bequemlichkeiten des Lebensalltags in heutiger Zeit sowie den virtuellen Angeboten und Einflüssen, die die Entwicklung der Kinder maßgeblich prägen, ist es evident, dass diese immer weniger geerdet sind und auch nur schwer Inkarnieren. Umso notwendiger erscheint es, ins handwerkliche Tun zu kommen. Im ersten Lebensjahrsiebt wurden die Ätherkräfte genutzt, die Organe auszubilden. Diese werden nun frei. Im zweiten Lebensjahrsiebt können die Nachahmungskräfte daher genutzt werden, um die Phantasie- und Willenskräfte zu stärken. Durch das Arbeiten mit den Händen, besonders mit Elementaren Werkstoffen (Holz, Ton, Erde, Steine, Wasser…) wird den Kindern geholfen, den Leib zu ergreifen. Es ist ja die Aufgabe der Waldorfpädagogik, das geistig- seelische mit dem physisch-leiblichen zu verbinden. Diese Willenserziehung bildet auch die Lernfähigkeit mit aus, die die Kinder auch in den oberen Klassen besonders brauchen.
Wie könnte ein Werkunterricht also in der Unterstufe gestaltet werden? Schon im Kindergarten haben die Kinder kleine handwerkliche Arbeiten angefertigt. Bei den Schulkindern rückt die Sinnhaftigkeit des Spiels oder der Tätigkeit mehr in den Vordergrund. Sowohl mit in der Natur gefundenen Materialien als auch mit anderen üblichen Werkstoffen können die Kinder kleine sinnvolle Gegenstände fertigen. Thematisch kann man sich an den Klassenlehrerepochen orientieren, an den Jahreszeiten und an den Jahresfesten. Der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt. Auch erstes plastisches Gestalten in Holz und Ton kann gemacht werden und die sensitive Grundlage für ein späteres künstlerisches Arbeiten im Werkunterricht legen.
Manche Schulen gehen auf die oben angeführten Bedürfnisse heutiger Kinder bereits auf vielfältige Art und Weise ein, zum Beispiel mit Waldstunden oder handlungspädagogischen Gewohnheiten. Diese Aufgaben ruhen auf den Schultern der Klassenlehrer, die durch eine Zusammenarbeit mit den Werklehrern hier eine Unterstützung und deutliche Entlastung erfahren könnten. In regelmäßigen Werkeinheiten im Hauptunterricht, Werkstunden im Stundenplan oder in Vertretungssituationen kann Werkunterricht stattfinden. Die Themen des Hauptunterrichtes können durch sinnliche und praktische Erfahrungen so schon ab der ersten Klasse sinnvoll vertieft und ergänzt werden.
Sollte es an einer Schule tatsächlich nicht möglich sein, auf die oben genannten Bedürfnisse der Kinder in der ersten und zweiten Klassen einzugehen, erscheint ein Werkunterricht spätestens nach den Sachkundeepochen der dritten Klasse (Handwerk, Hausbau..) unverzichtbar. Die Kinder sind in diesem Alter und nach diesen Erfahrungen begierig, dort anzuknüpfen. Durch das tätige Werken werden die Kinder in idealer Weise auf den Rubikon vorbereitet. Die pubertäre Schwere der Mittelstufe wird leichter überwunden, wenn die Kinder bereits auf zuvor angelegte Fähigkeiten zurückgreifen können.“
Giese, Anette und Heike Birk (2021)
Wir haben das Thema “Werken in der Unterstufe” stetig weiterverfolgt und den Kontakt zu uns bekannten Kolleginnen und Kollegen gesucht, die in der Unterstufe von Waldorfschulen “werken”.
Das Gespräch mit Stefan Baum haben wir als “Online Coaching Talk” per ZOOM unvorbereitet geführt, aufgenommen und überarbeitet, den Holzschnittcharakter bewahrt, das unvermeidliche Gestammel in einigen Sequenzen aber herausgeschnitten.
Im Laufe des Gesprächs hat sich wie von selbst eine Struktur herausgebildet, die durchaus die unterschiedlichen Aspekte erkennen lässt, die für das “Werken” in den Klassen 1 - 4 gelten können.
Nach der Schlussredaktion durch die PäFo wurde der Beitrag veröffentlicht, ausdrücklich als ein “alternatives Konzept”, kein "Muss" aber ein “Kann".
https://www.forschung-waldorf.de/lehrplan/handwerk
Autoren: Heike Birk, Stefan Baum, Thomas Verbeck
Werkunterricht in der Unterstufe
Ergänzend zum traditionellen Beginn des Werkunterrichts im 5. oder 6. Schuljahr hat sich an manchen Schulen der Beginn des Werkens mit dem 1. Schuljahr etabliert. Als alternatives Konzept soll dies hier vorgestellt werden. Daran schließen die Ausführungen zum traditionellen Konzept an, das in jedem Fall den Unterricht nach der Unterstufe fortsetzt.
Übergeordnete Aspekte und allgemeine Bildungsziele für das 1. bis 5. Schuljahr
In seinen Lehrplananregungen legte Rudolf Steiner großen Wert darauf, der Erziehung zum Praktischen den gleichen Stellenwert beizumessen wie der intellektuellen und der künstlerischen Bildung. Das Ziel dabei ist nicht allein, handwerklich-praktische Fähigkeiten zu erwerben. Vielmehr wirkt das Üben der Geschicklichkeit unmittelbar auf die kognitiven Fähigkeiten zurück. «[…] wenn man weiß, dass jemand, […] der seine Finger ordentlich zu bewegen weiß, auch biegsame Gedanken und Ideen hat…» (Steiner, GA301, 5. Vortrag, S. 80) – «Gerade die Integration von Sinnesreizen und Bewegungsabläufen ist ein ganzheitlicher Entwicklungs- und Reifungsprozess für das Gehirn» (Korte 2009: S. 214) Deshalb kommt dem Handwerksunterricht große Verantwortung zu.
Während das kleine Kind in seinem Spiel die Tätigkeiten der Erwachsenen unmittelbar begleitet und gleichzeitig «mit-tut», möchte das Kind, wenn es um den Beginn des Zahnwechsels herum in die Schule kommt, tätig werden und nachahmend, zeitversetzt lernen. Ein «So-tun-als-ob» ist nicht gefragt, es geht immer um «echtes» Tun und ehrliche Arbeit. Die Unterrichtsinhalte sollen Selbstwirksamkeitserfahrungen vermitteln. Durch eine breite Sinnesschulung und basale Erfahrungen mit vielfältigen Naturmaterialien kann die Werktätigkeit hier förderlich wirken.
Der Entwicklungsschritt («Rubikon»), den das Kind ungefähr mit dem 9. Lebensjahr absolviert, lässt das «Werken» im 3. Schuljahr für die Kinder zu einer existenziellen Tätigkeit werden: Hausbau, Ackerbau und weitere traditionelle Handwerksberufe, wie Bäcker, Schneider, Schuster – alles notwendige Tätigkeiten, um das Leben zu sichern. Der paradiesische Zustand ist vorbei. Nun ist der Zeitpunkt gekommen, mit Handwerkzeugen umzugehen, auch durchaus ein Messer zu benutzen.
Das Thema «Handwurzelknochen» (Seufert/in Martin, M. 1991, S.171) lenkt den Blick zurecht darauf, dass Muskulatur und Knochenbau der Kinder noch nicht ausgewachsen sind. Von daher muss sorgsam und mit Bedacht gearbeitet werden. Hilfreich ist es unter anderem, selbst kleine Schnitzmesser für die Kinderhand herzustellen, oder sehr leichte Beile zu schmieden. Auch kann mit einer angemessenen Arbeitstechnik schonend Überlastungen vorgebeugt werden.
Vom 5. bzw. 6. Schuljahr an beginnt dann das klassische Mittelstufenwerken nach Stuttgarter Vorbild (Heydebrand-Lehrplan). Nach und nach werden die verschiedenen Werkzeuge eingeführt und später auch die ersten, einfacheren Holzverbindungen erlernt. Dabei ist die ästhetische Gestaltung ebenso wichtig wie die Funktionalität und die genaue Bearbeitung. Auch sollte der sorgfältige und fachgerechte Umgang mit Werkzeug und Material sowie die Ordnung in der Werkstatt gepflegt werden.
Je nachdem wann das Werken erstmals in einer «Fachstunde» erteilt wird, kann der Anfangsunterricht im Werken unterschiedlich gestaltet werden. So kann das Plastizieren gut in die Werkstunde integriert werden, um den Hauptunterricht der Klassenlehrperson zu entlasten bzw. zu ergänzen.
1. Schuljahr
Beim Werken geht es bekannterweise wie in jedem Unterricht vordringlich darum, Entwicklungsschritte und -prozesse zu unterstützen und zu fördern, das betrifft auch die zur Schulreife bzw. Schulfähigkeit. Werkunterricht ist keine handwerkliche Ausbildung. Eine Sinnesschulung findet statt, die Kinder haben Selbstwirksamkeitserlebnisse und erlernen einzelne Handgriffe, um «etwas schaffen» zu können. Durch eine Materialvielfalt soll eine breite Auswahl von Sinnesreizen angeboten und das Eigenerleben in der Begegnung mit den unterschiedlichen Materialien fein ausgestaltet werden (Differenzierte Übung der Grob- und Feinmotorik).
2. Schuljahr
Nun können schon ganze Bewegungsabläufe erlernt und durchgeführt werden, Genauigkeit kann Teil der Aufgabe sein. Die Kinder sind begierig, Dinge zu verändern und zu gestalten. Klassische «Bastelarbeiten» können durchgeführt werden, wobei darauf zu achten ist, möglichst aus dem ganzen Material heraus zu arbeiten und möglichst wenig bzw. nichts Vorgefertigtes (wie Kopiervorlagen o. ä.) zu verwenden.
3. Schuljahr
Der Entwicklungsschritt im Verlauf des 9. Lebensjahres («Rubikon») lässt die Verortung in der Welt zur existenziellen Lebensaufgabe werden. Passende handwerkliche Arbeiten zur Handwerkerepoche, zum Messen und Wiegen und zum Hausbau können dabei unterstützen. Das Schnitzmesser und das Handschnitzen werden eingeführt, verschiedene Schnitztechniken werden erlernt.
4. Schuljahr
Die Kinder möchten sich im Zeigen ihres Könnens erproben. Ein selbst hergestelltes Schnitzmesser kann der «Ritterschlag» des Werkanfangsunterrichtes sein. Die Arbeiten dürfen sich nun auch über mehrere Schulstunden erstrecken, denn Ausdauer und Durchhaltewillen sind geweckt. Hat die Klasse genügend Vorerfahrung mit dem Handschnitzen gemacht und sind entsprechend kleine Klüpfel vorhanden, können auch bereits erste Arbeiten an der Werkbank durchgeführt werden.
5. Schuljahr
Alle weiteren Werkzeuge der Holzwerkstatt werden nach und nach eingeführt und ihre Handhabung geübt, so dass allmählich eine Kompetenz in der Auswahl des jeweils passenden Werkzeuges erworben wird. Auch kann jetzt eine erste Holzkunde erfolgen, denn die Kinder können das Prinzip des Faserverlaufes auch schon theoretisch erfassen. Arbeitssicherheit und Ordnung in der Werkstatt müssen immer wieder Thema sein, um ein gefahrenarmes und strukturiertes Arbeiten am Werkstück zu gewährleisten.
Wilhelm, Karl (1989): Gestalten mit Jungholz, Graz und Stuttgart
Heide-Jensen, Angelika (2012): Waldorfschule Zukunft künstlerisch praktischer Unterricht, Lübeck
Egholm, Frank (2005): Bewegliches Spielzeug selbst gemacht, Stuttgart
Hinrichsen, Helmut (2022): Das große Buch vom Werken, Stuttgart
Martin, Michael (1991): Der künstlerisch-handwerkliche Unterricht in der Waldorfschule, Stuttgart
Steve Alley (2008): Die Bibel des traditionellen Bogenbaus Ludwigshafen
Fisher, Paul (1993): A manual of strip plank construktion techniques, Wiltshire England
Maschek-Schneider, Hans Joachim (Hrsg) (2005): Holz, Hamburg
https://wiki.waldorf-werklehrer.de/
Aeppli, Willi: Sinnesorganismus - Sinnesverlust - Sinnespflege. Stuttgart 1979
Birk, Heike/Verbeck, Thomas: Werken in der Unterstufe - Arbeitsheft. Remscheid 2025
Birk, Heike/Verbeck, Thomas: Werken in der Unterstufe (Werken mit den Kleinen) Online Publikation wird fortgeschrieben
Birk, Heike/Verbeck, Thomas: “Werken in der Unterstufe? Ja bitte” in: Erziehungskunst, Heft 4/2025
Facebook-Gruppe “Waldorf-Werklehrer” https://www.facebook.com/groups/360923507445284
Fries, Andreas/Krautz, Jochen/König, Lucas (Hrsg.): "Werken". IMAGO. Zeitschrift für Kunstpädagogik. H. 15/2022
König, Lucas, Zwischen Handwerk, Technik und Kunst. Historisch-systematische Grundlegung Bildungsbedeutung des Werkens (Dissertation BU Wuppertal), München 2026
Kranich, Ernst-Michael_Die_Intelligenz_der_Hände, in: Erziehungskunst H.5/2002
Krautz, Jochen/Schröder, Klaus: Werken. Unzeitgemäßes Tun?! In: Barz, Heiner (Hrsg.): Unterrichten an Waldorfschulen. Berufsbild Waldorflehrer: Neue Perspektiven in Ausbildung, Forschung und Schulentwicklung. Wiesbaden 2013, S. 145-157
Loewe, Hella: Elementares Plastisches Gestalten Willensschulung durch Formerfassen. Stuttgart 2004 (Print vergriffen)
Martin, Michael (Hrsg): Derkünstlerisch-handwerkliche Unterricht in der Waldorfschule. Stuttgart 1991 (Print vergriffen)
Breslau 1926 (Print vergriffen)
Waldorf-Werklehrer Wiki: https://wiki.waldorf-werklehrer.de
Im Anschluss an die Online-Veröffentlichung im Lehrplan war die Sommerakademie der FHS Stuttgart der erste Ort, an dem das Thema in die Klassenlehrerschaft getragen wurde.
Das Thema stieß beim Lehrstuhlinhaber “Kunstpädagogik” an der Bergischen Universität Wuppertal Prof. Dr. Krautz auf so großes Interesse, dass er einen Lehrauftrag für die Studierenden in seiner Fakultät einrichtete.
Heike Birk, Thomas Verbeck, Werken in der Unterstufe (wird laufend ergänzt)
Thomas Verbeck, Heike Birk, Werken, Digitalisierung und Medienkompetenz – Die Brückenpfeiler im Fächerkanon (2026)

Pädagogische Sommerakademie Stuttgart 2026
Bildungsräume – Kinder zukunftsfähig stärken
Bildungsräume entstehen nicht zufällig – sie entwickeln sich durch bewusste Impulse: durch eine Farbe, die leuchtet, eine Geschichte, die trägt, eine Bewegung, die verbindet. So wachsen Kinder in ihrer Neugier, ihrer Stärke und ihrer Freude, die Welt mitzugestalten.
Die drei Vortragenden,
Prof.Dr. Klaus Zierer: “Erziehung heute - Was unsere Kinder jetzt brauchen.” Die heutige Lebenswelt von Kindern ist unter anderem von Wertepluralismus, Digitalisierung, Bewegungsarmut und Konsumorientierung geprägt.
All das hinterlässt in der kindlichen Persönlichkeitsentwicklung Spuren. Von allen Bildungsinstitutionen – ob Familie, Kindergarten oder Schule – ist daher Verantwortung gefordert. Derweil ist die Debatte darüber, was gute Erziehung heute ausmacht, alles andere als einfach. Es kursieren viele Mythen und Moden, soziale Medien haben einen immer größeren Einfluss auf unsere Kinder und auch die Frage nach der Werteorientierung bleibt häufig unbeantwortet.
Im Vortrag soll daher ein Blick auf wissenschaftlich fundierte Kriterien für eine gelingende Erziehung und erfolgreiche Bildung unserer Kinder geworfen werden.,
Prof.Dr. Thomas Damberger: “Bildung im Horizont künstlicher Intelligenz - Plädoyer für eine anachronistische Pädagogik.” KI verspricht Entlastung und Effizienz – und provoziert damit die Pädagogik in ihrem Kern. Denn mit digitaler Technik lösen sich gewachsene Sinnzusammenhänge auf; zurück bleibt eine Erfahrung von Ortlosigkeit. Wenn Wissen jederzeit verfügbar, Urteile algorithmisch vorbereitet sind, stellt sich die Frage, worin dann noch der spezifische Bildungsauftrag besteht?
Der Vortrag fragt, inwiefern Waldorfpädagogik als "notwendiger Anachronismus" zu verstehen ist, und zwar nicht im Sinne eines nostalgischen Rückzugs, sondern vielmehr als bewusste Gegenbewegung, die den pädagogischen Kern behauptet. ,
Dr. Karin Michael: “Kann Schule gesund machen?” Wenn man an Kinder und Jugendliche in der Schule denkt, fallen einem heute eher blasse, ängstliche, gestresste, bewegungsarme und unlustige junge Menschen ein. Oft erleben wir, dass wir gegen die Wirkungen dieser Institution sogar gesunden Ausgleich suchen müssen. Wie müssten wir die Schule der Zukunft gestalten, damit sie umfassend bildend und sogar "gesundheitsbildend" wird? Wie wird sie ein Ort, der leiblich, seelisch und geistig guttut und bereichert?
haben an den drei Tagen Impulse zum Tagungsthema gesetzt:
Bildungsräume – Kinder zukunftsfähig stärken
Bildungsräume entstehen nicht zufällig – sie entwickeln sich durch bewusste Impulse: durch eine Farbe, die leuchtet, eine Geschichte, die trägt, eine Bewegung, die verbindet. So wachsen Kinder in ihrer Neugier, ihrer Stärke und ihrer Freude, die Welt mitzugestalten.
Zierer (Uni Augsburg) hat einen nationalen Wurf gemacht, fokussiert aber den Punkt, dass es eben nicht darauf ankommt, einen mainstream zu bedienen und da persönliche Verdienste und Profilpunkte zu sammeln. Wenn du etwas als richtig und sinnvoll für die Kinder heute erkennst, dann setze dich dafür ein und folge dem, egal, was die anderen sagen.
Damberger (FHS Suttgart) fordert unumwunden, dass es eine KI-Kompetenz geben muss durch "Bildung". Von "Natur" aus ist das niemandem gegeben. Der Weg dahin müsse allerdings über anachronistische Wege, Methoden und Inhalte führen, allemal handbasiert und prozessorientiert. Da ist er mit Zierer auf einer Linie.
Die Ärztin Dr. Michael sieht vor allem die Notwendigkeit des Nachreifens bei vielen Kindern und benennt klar versäumte und verpasste Entwicklungsschritte des Kindes in den ersten Monaten nach der Geburt. Ein Grund: die unbedingte und ungeteilte Zuwendung der Mutter beim "Stillen" nicht mehr so gibt, aber auch das Verhalten der Menschen in der unmittelbaren Umgebung. Das Kind könne nicht zur Ruhe kommen und sich erholen, schlafen und erfrischt aufwachen. Atmen lernen sei die zweite unbearbeitete Baustelle. Kurz gesagt, würden den Kindern die Möglichkeiten geraubt zu sich zu kommen, sich in ihre Individualität hinein zu inkarnieren, alles wohlgemerkt unbewusst und ohne böse Absicht. Gleichzeitig verfügten die Kinder aber heute schon über eine "angeborene" Fähigkeit mit dem Herzen zu denken, wo sie uns weit voraus sind.
Alle drei schildern gemeinsam die unbedingte Notwendigkeit, dass "Schule" "neu" gegriffen werden muss. In Testverfahren abprüfbarer Kompetenzerwerb sei in Zeiten von KI keine Option mehr. Prozessorientiertes Lernen und Arbeiten und das persönliche Scheitern als Motivator seien unverzichtbare Komponenten, Kunst und Handwerke essentielle Inhalte, authentische Lernorte an der “frischen Luft” das A&O, besonders bei den Kleinen.
Ich würde sagen: Der "Sonne Liebeslicht" ist eben keine Hohlfloskel, kein in die Jahre gekommenes Traditionsmerkmal aus einem scheinbar veralteten anachronistischen Morgenspruch. “Hellet” mir die Sonne nicht den Tag, wird das Melatonin eben nicht abgebaut. Ich werde nicht richtig wach. Schlafen konnte ich aber auch nicht richtig, weil sich dasselbe Melatonin nicht in ausreichendem Maße gebildet hat.
"Rhythmus spart Kraft", eine Binsenweisheit, aber fehlt der Rhythmus, wird das Leben echt anstrengend und das "Lernen" bleibt auf der Strecke, auch für Lehrer!
In den Workshops haben tätige Lehrkräfte die Möglichkeiten prozessorientiert zu arbeiten und fähigkeitsorientiert zu lernen. Jeder künstlerische Prozess ist immer auch ein Stückchen Selbsterfahrung, jeder Übungsschritt ein Stück "Selbsterziehung".
Vor die Erziehung hat "der liebe Gott" die “Selbsterziehung” gesetzt.
Es wäre gut und sinnvoll, IWU in die Lehrerausbildung zu "bringen". Jedenfalls war das unser Impuls und wir wollten die Gelegenheit nutzen, direkt mit einzelnen Persönlichkeiten verabredet ins Gespräch zu kommen. Offenbar mangelte es an zeitlichen und personellen Kapazitäten für “unser” Thema, das können wir nicht ändern. Es wird sinnvoll und richtig sein, die "Lehrerfortbildung" für IWU zu nutzen. Da ist gerade die Sommerakademie ein guter Ort, momentan einer der besten, wie es scheint.
Und: “Werken” ist ein weites Feld, immer, wenn Menschen mit ihren Händen etwas tun und schaffen, ihre individuellen Fähigkeiten und Fertigkeiten ausbilden schaffen sie sich neue Denkstrukturen. So ganz nebenbei bringen sie ihr individuelles emotionales System in Bewegung und “lernen”, was die Kinder schon können, mit dem Herzen zu denken. Alles künstlerische Arbeiten gehört dazu.
Rückmeldungen zeigen, dass sie sich impulsiert und bestärkt fühlen und das, was sie Neues gelernt haben mit nach Hause zu den Kindern in ihre Schulen nehmen und es an sie weitergeben.
Thomas Verbeck
Wer in den offenen Mailverteiler aufgenommen werden möchte melde sich bei uns unter info at waldorf-werklehrer punkt de und erkläre damit einverstanden zu sein, dass mails an die Gruppe offen versendet werden dürfen.